In die jüngste Ausgabe des Rechtschreib-Duden wurde neben "Willkommenskultur" und "tindern" auch das Vokabel "Honk" aufgenommen.

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So richtig modern und am Puls der Zeit zu sein: Wer wäre das nicht gerne? Auch der am Odium einer gewissen Überwuzelung leidende Duden wird offenkundig vom Wunsch nach Hipness getrieben. Mit diesem Ziel vor Augen hat die Redaktion jedenfalls einen ganzen Schock Vokabeln mit dem Charisma des mehr oder minder Brandneuen in die jüngste Ausgabe des Rechtschreib-Duden aufgenommen: die "Fake News" natürlich, "postfaktisch", "Willkommenskultur", "tindern", "pixelig", "facebooken", "liken", "chillig", "gegenchecken", aber auch den "Honk".

Nun dürfte allerdings die Kenntnis dieses H-Worts so wenig verbreitet sein, dass sich kaum jemand auf den Schlips getreten fühlen würde, wenn man ihn als "Honk" (oder gar "Vollhonk") bezeichnete. Tatsächlich, meint der "Duden", sei mit diesem "Jargonwort" aber ein Dummkopf oder ein Idiot gemeint. Es handelt sich also um eine Erweiterung des Begriffsfeldes "Mit mangelhafter Intelligenz versehen", welche eigentlich nicht unbedingt notwendig wäre, da dieses Feld ohnehin gut bestellt ist: Einfaltspinsel, Kretin, Koffer, Fetzenschädel, Trottel, Dodl, Dillo, Strohkopf, Hammel usf.

Der "Honk" leitet sich laut Duden "wohl von einem abwertenden englisch-amerikanischen Slangwort für ,Weißer'" ab, was dann offenbar einem von Afroamerikanern verwendeten, quasi spiegelverkehrten Pendant zum ebenfalls wenig wertschätzenden "Nigger" entspräche. Laut dem meist gut informierten "Urban Dictionary" heißt die vorherrschende Variante dieses rassistisch gewürzten Insults allerdings nicht "Honk", sondern "Honky". Wie es sich mit einem möglichen Zusammenhang mit dem Honkytonk, einem billigen Nachtclub verhält, ist unklar.

Auf diversen Internetseiten wird behauptet, Honk sei auch ein Akronym für "Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse". Nachweise, dass dies in Österreich je gehört ward, existieren nicht, wir scheinen es eher mit einer Spezialität aus der Bundesrepublik Deutschland zu tun zu haben. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich in Österreich der Honk kaum gegen den Trottel durchsetzen dürfte. (Christoph Winder, 13.8.2017)