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Hillary Clinton hat verloren, weil sie auf eine Koalition von Urbanen, Gebildeten, Farbigen, Jüngeren und sexuell anders Orientierten gesetzt hat und auf die nach rechts gedrifteten, verunsicherten, wütenden "blue-collar workers" in ein paar Schlüsselstaaten vergaß. Obwohl sie drei Millionen Wählerstimmen mehr hatte als Donald Trump (der wahnsinnigerweise behauptet, er hätte die "popular vote" gewonnen), verlor sie dank des amerikanischen Wahlrechts, weil sie im Rostgürtel des industriellen Verfalls (Pennsylvania, Michigan und Wisconsin) 77.000 Stimmen zu wenig hatte.

Ihr Fehler. Aber man kann es ihr nachfühlen, wenn sie in ihrem Aufarbeitungsbuch "What Happened" die Episode beschreibt, wie Trump während des Fernsehduells plötzlich seinen Platz verlässt, hinter ihr, die an der Rampe steht und gerade etwas erklärt, herumschleicht, ihr immer mehr auf den Leib rückt. Donald, the stalker. "Er hat mir praktisch seinen Atem ins Genick geblasen. Ich bekam eine Gänsehaut", schreibt Clinton. "Was macht man da? Bleibst du ruhig, lächelst weiter, als ob er nicht ständig deinen Distanzraum verletzen würde? Oder drehst du dich um, schaust ihm ins Auge und sagst laut und klar: 'Zurück, du Widerling ('creep'), bleib weg von mir'?"

Ja, das hätte sie sagen und tun sollen. Sie hätte zeigen müssen, dass sie mit Creeps umgehen kann. Vielleicht wäre sie dann Präsidentin. (Hans Rauscher, 13.9.2017)