Auf Tinder können sich Menschen kennenlernen. Der durchschnittliche Mann hat es dort aber schwer.

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Immer mehr Leute suchen mittels Dating-Apps wie Tinder ihr Liebesglück. Dass der Dienst für durchschnittliche Männer nicht so ganz geeignet ist, hat nun ein Blogger aufgezeigt, der laut eigenen Angaben Sozioökonom ist. In seinem Medium-Posting mit dem Usernamen "Worst Online Dater" schildert der Mann mittels Statistiken wie "ungerecht" Tinder eigentlich ist. Seine Daten sind selbst gesammelt und somit nicht wirklich repräsentativ, trotzdem wird damit durchaus ein Trend aufgezeigt.

Tinder ist verdammt "ungerecht"

Konkret zeigt der Blogger auf, dass 80 Prozent der durchschnittlich aussehenden Männer um 22 Prozent der Frauen auf der Plattform kämpfen. Die restlichen Frauen, also insgesamt 78 Prozent, sind einzig an den 20 Prozent der attraktivsten Männer interessiert. Ein durchschnittlicher Mann muss somit bei der App 115 Frauen liken, damit er von einer ebenso ein Like erhält. Bei attraktiven Männern ist die Wahrscheinlich sechs Mal höher, dass sie ebenso geliked werden.

Wie auf Tinder geliked wird.
Foto: Worst Online Dater

"New York Times" mit ähnlichen Daten

Um die Ungerechtigkeit auf der Plattform aufzuzeigen, führte der Blogger Interviews mit 27 Frauen durch. Der Mann weist darauf hin, dass diese die Daten selbst beigesteuert haben – es ist somit möglich, dass ein gewisser Bias vorhanden ist. Allerdings hatte die New York Times bei einem weiteren Experiment herausgefunden, dass die Frauen auf der Plattform nur 14 Prozent der Männer liken. Dies entspricht den Daten des Bloggers, der eine Like-Rate von zwölf Prozent sieht.

Gini-Koeffizient wie Südafrika

Laut dem Medium-Eintrag des selbsternannten Sozioökonomen weist Tinder somit einen Gini-Koeffizient auf, der ungerechter ist als 95,1 Prozent aller Volkswirtschaften. Zugleich hat der Mann eine Berechnung veröffentlicht, mittels der Interessierte ihre Attraktivität auf der Dating-App bemessen können. Freilich ist die Statistik des Bloggers einzig auf Tinder bezogen – inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Plattformen wie Lovoo, OkCupid & Co. ummünzen lässt, ist nicht erwiesen.

Tinder weist einen der schlechtesten Gini-Koeffizienten auf.
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Algorithmus im Hintergrund

Tinder wird nämlich immer wieder nachgesagt, dass ein Algorithmus im Hintergrund dafür sorgt, dass manche Nutzer den Nutzerinnen gar nicht angezeigt werden. Ein eigenes Bewertungssystem schätzt die Attraktivität des Users aufgrund dessen Like- und Zurück-Like-Rate an und zeigt das Profil dann den dementsprechenden Nutzerinnen an. Wirklich erwiesen ist dies allerdings nicht, da Tinder sich auch nicht ins System schauen lässt. Allerdings wurde die API der App untersucht und dort die Attraktivitätsrate eines Fotos rausgelesen.

Tinder trotzdem umsatzstärkste App

Die Dating-App ist trotz aller "Ungerechtigkeit" höchst erfolgreich. Erst kürzlich wurde vermeldet, dass Tinder nun die umsatzstärkste App im App Store ist. Prinzipiell ist die Applikation kostenlos, man hat aber die Möglichkeit ein Abo abzuschließen. Dieses kostet in der Premium-Funktion circa 10 und in der Gold-Version 15 Euro monatlich – dadurch können Nutzer etwa vorab sehen, wer sie vorab geliked hat oder ihr Profil vermehrt anzeigen lassen.

Exklusive App für Reiche und Schöne

Die Dating-App gehört dem amerikanischen Unternehmen InterActiveCorp an, die 2016 einen Umsatz von 3,1 Milliarden US-Dollar erzielen konnte. 2012 wurde die App gestartet, zuletzt wurde 2014 geschätzt, dass das Service 50 Millionen Nutzer aufweisen soll. Tinder selbst veröffentlicht keine Nutzerzahlen. Für die Reichen und Schönen gibt es übrigens eine eigene App, zu der man exklusiv eingeladen werden muss. (dk, 16.09.2017)