Knall- oder Pistolenkrebse (im Bild die australische Spezies Alpheus parvirostris) töten oder lähmen ihre Beute mit Lärm. Nun zeigte sich, dass die Krebse diese Fähigkeit bereits vor 27 Millionen Jahren besaßen.

Foto: AP/Gary Cranitch, Queensland Museum

Wien – Die Waffe der Pistolenkrebse ist seine Lautstärke – und nachdem Schall sich im Wasser effizienter als in der Luft ausbreiten kann, ist das eine äußerst wirksame Waffe. Mit ihren vergrößerten Scheren können die Krebse einen Knall erzeugen, der bis zu 210 Dezibel erreicht und Beutetiere selbst in einiger Entfernung lähmen oder töten kann. Forscher des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien berichten nun im Fachjournal "Scientific Reports", dass diese Jagdstrategie viel älter als bisher angenommen ist: Die Krebse "schossen" schon vor 27 Millionen Jahren.

Eines der lautesten Geräusche im Tierreich

Rund die Hälfte der mehr als 600 Pistolenkrebs-Arten (Alpheidae) besitzt eine funktionsfähige Knallschere. Sie können also die Schere extrem schnell zuklappen, wodurch eine sogenannte Kavitationsblase entsteht, die mit einem sehr lauten Knall implodiert. Mit bis zu 210 Dezibel erzeugen die wenige Zentimeter großen Tiere damit eines der lautesten Geräusche im Tierreich. Das setzen sie nicht nur zur Jagd, sondern auch zur Verteidigung oder beim Revierkampf ein.

Aufgrund ihrer bemerkenswerten Fähigkeit sind Pistolenkrebse gut untersucht, über ihre Entwicklung war bisher allerdings wenig bekannt. Der Grund dafür ist, dass es kaum fossile Überreste der Knallkrebse gibt. "Die Pistolenkrebse haben nur einen ganz dünnen Panzer. Alleine die Spitzen ihrer Scheren sind besonders stark verkalkt, nur dadurch können sie fossil erhalten bleiben", erklärte Andreas Kroh vom NHM.

Eigenartige Fossilien

Und genau diese Scherenspitzen hat Kroh gemeinsam mit Matus Hyzny und Mathias Harzhauser vom NHM und internationalen Kollegen in eigenartig anmutenden, dreieckigen Fossilien erkannt. Diese kleinen Fossilien kannte man aus unterschiedlichsten Regionen weltweit. Es war aber unklar, welcher Tiergruppe sie gehören. Manche Forscher sahen darin Überreste von Skelettelementen von Tintenfischen, andere Teile des Panzers von Schwimmkrabben.

Die Wiener Forscher konnten nun diese Fossilien eindeutig den Pistolenkrebsen zuordnen. Sie zeigten, dass die Scherenspitzen von Pistolenkrebsen nicht nur stärker verkalken und eine dickere Wandstärke haben. Sie unterscheiden sich auch in ihrer Farbe, Mikrostruktur und chemischen Zusammensetzung vom Rest des Panzers.

"Das älteste Vorkommen dieser Krebstiergruppe kann anhand unserer Daten nun zweifelsfrei für das Oligozän, also einem Zeitalter vor ungefähr 27 bis 28 Millionen Jahren nachgewiesen werden", schreiben die Wissenschafter im Magazin des NHM. Dabei habe es schon vor 20 bis 23 Millionen Jahren, im Miozän, eine überraschend große Formenvielfalt an Scherenspitzen gegeben. (APA, red, 17.9.2017)