Krisenstimmung bei Ryanair: Die Fluglinie muss hunderttausende Passagiere auf Flüge der Konkurrenz umbuchen.

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Dublin – Ryanair hat am Wochenende 162 Flüge gestrichen, deutlich mehr als erwartet. Die irische Billigfluggesellschaft sagte am Samstag 80 Verbindungen ab, am Sonntag waren es 82. Ryanair hatte angekündigt, in den nächsten sechs Wochen täglich 40 bis 50 Flüge streichen zu wollen.

Marketingchef Kenny Jacobs räumte einem Bericht zufolge ein, die Ausfälle an diesem Wochenende seien höher, weil das Unternehmen mit der Umsetzung der Streichungen beginne. Über abgesagte Flüge, die bis zum kommendem Mittwoch stattfinden sollen, sind die Reisenden laut Jacobs bereits informiert worden. Insgesamt sollen bis zu 285.000 Passagiere betroffen sein.

Unklare Gründe für Personalengpass

Offenbar gibt es einen Personalengpass. "Wir haben die Planung der Pilotenurlaube vermasselt. Wir arbeiten jetzt hart daran, das zu beheben", erklärte der Marketingchef. Die Fluglinie stellt derzeit ihr Urlaubsjahr, das bisher von April bis März dauerte, auf einen Jänner-Dezember-Rhythmus um. Dadurch müssen viele Piloten noch heuer ihren Resturlaub aufbrauchen.

Die "Kronen Zeitung" brachte unterdessen am Wochenende einen anderen möglichen Grund ins Spiel – eine Kündigungswelle, die Ryanair in die Knie zwingen soll. Das Boulevardblatt berief sich dabei auf einen nicht namentlich genannten Ryanair-Piloten aus Österreich. Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wirft Ryanair seit längerem vor, mit scheinselbstständigen Vertragspiloten illegal Kosten zu sparen.

"Pünktlichkeit verbessern"

Ryanair hatte am Freitag behauptet, in den kommenden sechs Wochen bis zu 2.100 Flüge zu streichen, um die Pünktlichkeit der Maschinen zu verbessern. Die Airline versprach den betroffenen Kunden, ihr Möglichstes zu tun, um sie umzubuchen oder zu entschädigen. Allein an diesem Wochenende waren rund 30.000 Passagiere betroffen. (red, APA, AFP, 17.9.2017)