Unmittelbar nach der geplatzten Pressekonferenz wehrte Frauke Petry Journalistenfragen ab, ob sie denn in der AfD zu bleiben gedenke.

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Neun Uhr morgens als Uhrzeit für eine Pressekonferenz ist hart – wenn die Nacht zuvor lang war. Und so sitzen am Montag nach der Bundestagswahl die AfD-Politiker Alexander Gauland und Alice Weidel (Spitzenkandidaten) sowie Frauke Petry und Jörg Meuthen (Parteichefs) etwas müde auf dem Podium der Bundespressekonferenz.

Petry spricht, sie redet vom großen Erfolg der AfD – was man eben so sagt nach einem erfreulichen Wahlergebnis. Plötzlich der Knaller. "Ich habe entschieden, dass ich der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag nicht angehören werde, sondern vorerst als Einzelabgeordnete in diesem Bundestag sitzen werde", sagt sie – zur großen Verblüffung ihrer Mitstreiter.

Sie erklärt aber auch: "Seien Sie aber versichert, dass ich weiterhin aktiv Politik machen werde und dass mein politisches Ziel, mein Anspruch ist, dass wir eine konservative Wende 2021 in diesem Land im Bundestag hinbekommen." Dann steht sie auf und verlässt den Saal. Zurück bleiben verdatterte Parteikollegen. Meuthen fängt sich als Erster: "Das ist mit uns nicht abgesprochen gewesen." Dann spricht er von einer "geplatzten Bombe, von der ich keine Kenntnis hatte", und fügt an: "Ich entschuldige mich."

Petry wird draußen vor dem Saal, auf dem Weg aus dem Gebäude hinaus, zwar noch von Journalisten umringt – es ist aber nicht zu erfahren, ob sie AfD-Chefin bleiben will oder nicht. Unklar ist auch, ob ihr weitere Getreue folgen wollen und sich von der AfD-Fraktion abspalten, bevor diese überhaupt ihre Arbeit aufnimmt.

Später erklärt Petry via Facebook, in der AfD würden "die realpolitischen Vertreter zunehmend marginalisiert" und "gemäßigte Mitglieder auf allen Ebenen diskreditiert". Daraufhin empfehlen ihr AfD-Vorstandsmitglied André Poggenburg und Weidel den Rückzug aus der Partei.

Nummer eins in Sachsen

Fakt ist: Petry, die Nummer eins der Landesliste in Sachsen war, hat in ihrem Heimatbundesland eines der drei Direktmandate der AfD erreicht. In Sachsen ist die AfD bei der Bundestagswahl auch stärkste Partei geworden. Gerüchte, Petry wolle sich mit Gemäßigteren abspalten, hatte es schon vor der Wahl gegeben. Petry hatte kurz vor der Wahl scharfe Kritik an Weidel und Gauland geübt und nach der Wahl erneut Gauland ins Visier genommen und erklärt, dessen Rhetorik schrecke bürgerliche Wähler ab, womit sie auf Gaulands Aussage abzielte, die AfD werde "Merkel jagen".

Doch Gauland verneint die Frage, ob er Petry mit seiner Kritik an SPD-Integrationsministerin Aydan Özoguz ("in Anatolien entsorgen") und seinem Lob für Wehrmachtssoldaten vergrault habe. Seine Erklärung für Petrys Abgang: "Unsere Partei ist ein gäriger Haufen, und jetzt ist da jemand obergärig geworden."

Apropos Özoguz: Sie hat ihren Wahlkreis in ihrer Geburtsstadt Hamburg wieder direkt gewonnen. Gauland unterlag in seinem Brandenburger Wahlkreis Frankfurt/Oder – Spree gegenüber dem CDU-Kandidaten Martin Patzelt, der schon im Bundestag vertreten war. Dieser war im Sommer 2015 bundesweit bekannt geworden, weil er zwei Flüchtlinge aus Eritrea bei sich aufgenommen hatte.

Auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine Abspaltung bei der AfD. Vier Mitglieder der Landtagsfraktion sind ausgetreten und bilden nun eine eigene Fraktion. Zu den Abtrünnigen gehört auch der bisherige parlamentarische Geschäftsführer Matthias Manthei. Die vier zählen zu den gemäßigten Parlamentariern in der AfD-Fraktion, in der 13 Mitglieder verbleiben. (Birgit Baumann aus Berlin, 26.9.2017)