Auf Carlo Ancelotti kommen beim FC Bayern München sehr unliebsame Zeiten zu.

Foto: Reuters/Platiau

Den Pariser Prinzenpark verließen die Bosse des FC Bayern München sprachlos. Aber beim vereinsinternen Bankett im Teamhotel sprach Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht auf Donnerstag dann klare Worte. Nach dem 0:3 gegen Paris St. Germain, der höchsten Gruppenphasen-Niederlage in 21 Jahren Champions League, wollte die Vereinsführung der Münchner nicht zur Tagesordnung übergehen.

Rummenigge übte scharfe Kritik und erhöhte auch den Druck auf Trainer Carlo Ancelotti. "Es war eine ganz bittere Niederlage, eine Niederlage, die es zu analysieren gilt, nach der wir auch Klartext reden und Konsequenzen ziehen müssen. Denn das, was wir gesehen haben, war nicht Bayern München", sagte Rummenigge bei seiner Bankettrede im Hotel du Collectionneur.

Krisensitzung am Nachmittag

Laut der "Bild"-Zeitung soll es noch Donnerstagnachmittag eine Krisensitzung in München geben. Ein Abgang Ancelottis dürfte nicht gänzlich auszuschließen sein.

Im Fall einer vorzeitigen Entlassung stünde Willy Sagnol als Übergangslösung bereit. Der ehemalige Profi wurde im Sommer auf Wunsch der Verantwortlichen für das Trainerteam verpflichtet, er war zuvor als Chefcoach bei Girondins Bordeaux von 2014 bis 2016 tätig. Darüber hinaus gibt es Gerüchte, dass Thomas Tuchel eine Alternative wäre.

Stars auf der Bank, ...

Ancelotti hatte mit seiner Aufstellung wieder einmal für Verblüffung gesorgt. Mats Hummels saß ebenso wie Franck Ribery 90 Minuten auf der Bank. Arjen Robben wurde erst eingewechselt, als das Prestigeduell der Gruppe B nach den Treffern von Dani Alves, Edinson Cavani und Neymar längst entschieden war. Jerome Boateng stand nicht einmal im Kader.

"Ich bin jemand, der sehr viel über die Aufstellung nachdenkt. Ich bedaure nichts", sagte Ancelotti und verteidigte seine Rotation. "Es stimmt, dass mit Robben, Ribery und Hummels viele gute Spieler auf der Bank waren. Aber ich habe in jedem Spiel gute Spieler auf der Bank. So ist es in Topklubs. Gute Spieler müssen auf die Bank, das ist mein Job."

Rummenigge beendete die kurze Ansprache mit einer klaren Ansage: "Es ist wichtig, dass wir schnell nach diesem Spiel wieder die Kurve kriegen und uns als Bayern München präsentieren. Und dann eben auch zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in den letzten Jahren in Europa und auch national für Furore gesorgt hat, und dass wir da wieder anschließen."

... Stars wortkarg

Die Spieler – zu denen nach dreiwöchiger Verletzungspause auch wieder David Alaba zählte, der zumindest bei einem Gegentor nicht gut aussah – gaben sich nach der Ansprache vor allem in der Trainerfrage wortkarg. "Der Trainer trifft die Entscheidungen und stellt seine Pläne vor. Und die Mannschaft versucht das dann bestmöglich umzusetzen", sagte Kapitän Thomas Müller.

"Ich werde darüber nichts sagen. Da ist jedes Wort zu viel. Das Wichtigste ist, dass wir jetzt als Mannschaft zusammenhalten. Wir brauchen Ruhe. Jeder, der jetzt seine Unzufriedenheit nach außen trägt, hilft der Mannschaft nicht", meinte Arjen Robben.

Deutlich besser war die Stimmung im Lager von PSG. Präsident Nasser Al-Khelaifi gab zu Protokoll, er sei "sehr zufrieden", warnte aber auch vor zu großer Euphorie. "Wir bleiben am Boden und beginnen noch nicht zu träumen, sondern werden weiterhin hart arbeiten." (sid, APA, red, 28.9.2017)