Die Polizei riegelt den Tatort ab.

Foto: REUTERS/Jean-Paul Pelissier

Marseille – Die radikalislamische Miliz "Islamischen Staats" (IS) hat den tödlichen Angriff auf zwei junge Frauen in Marseille für sich reklamiert. Ein Extremist des IS sei für die Messerattacke am Sonntag verantwortlich, meldete das IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq am Abend unter Berufung auf eine "Sicherheitsquelle".

Der Mann hat in Marseille zwei junge Frauen erstochen. Laut. Polizeivertreter habe er "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Der Messerangriff ereignete sich am Hauptbahnhof der südfranzösischen Hafenstadt. "Dies könnte ein Terrorakt gewesen sein, aber wir können das derzeit noch nicht vollkommen bestätigen", sagte Innenminister Gerard Collomb. Die Antiterrorabteilung der Staatsanwaltschaft in Paris übernahm die Ermittlungen. Präsident Emmanuel Macron erklärte auf Twitter, "diese barbarische Tat" widere ihn an. Er lobte die Sicherheitskräfte für ihr effektives Vorgehen.

Angreifer polizeibekannt

Die beiden Opfer seien 17 und 20 Jahre alt gewesen, hieß es in Polizeikreisen. Einer Frau sei die Kehle durchgeschnitten worden, der anderen sei in den Bauch und in die Brust gestochen worden. Der etwa 30-jährige Angreifer habe ein Schlachtermesser bei sich getragen. Sein Erscheinungsbild sei das eines Nordafrikaners gewesen. Er sei den Behörden wegen allgemeiner Verbrechen bekannt gewesen, sagte ein Polizeivertreter. Er sei erst am Freitag in Lyon in Gewahrsam genommen worden, weil man ihn verdächtigt habe, für einen Raubüberfall verantwortlich zu sein, sagte eine mit den Polizeiermittlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Aus Mangel an Beweisen sei der Mann aber wieder freigelassen worden. Ein anderer fügte hinzu, bei einer digitalen Analyse der Fingerabdrücke seien die Ermittler auf mehrere verschiedene Identitäten gestoßen.

Die Abgeordnete für Marseille, Samia Ghali, sagte dem Hörfunksender France Bleu, wenn das Militär nicht so rasch zur Stelle gewesen wäre, "hätten wir viel mehr Tote gehabt". Regionalpräsident Renaud Muselier sagte: "Die Sicherheitskräfte haben extrem schnell reagiert." Der Soldat, der den Verdächtigen erschossen hatte, gehörte einer Truppe an, die im Rahmen eines vor zwei Jahren ausgerufenen Notstands landesweit stationiert wurde.

230 Todesopfer

Seit 2017 haben von der Extremistengruppe "Islamischer Staat" inspirierte Attentäter insgesamt mehr als 230 Menschen in Frankreich getötet. Seither gilt im ganzen Land eine erhöhte Alarmbereitschaft mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Plätzen. Zuletzt hatte es Mitte September in der Pariser U-Bahn eine Messerattacke auf einen Soldaten gegeben, der aber unverletzt blieb. Anfang August war ein Auto in einem Pariser Vorort in eine Gruppe Soldaten gerast. Dabei waren sechs Militärangehörige verletzt worden.

Der neuerliche Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Antiterrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten François Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt.

Am Montag beginnt in Paris der Prozess gegen Abdelkader Merah, dessen Bruder eine jüdische Schule in Toulouse angegriffen hatte. Abdelkader Merah wird Beihilfe zur Last gelegt. Der Jihadist Mohammed Merah hatte im März 2012 vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer erschossen. Er tötete zudem drei Soldaten. In Frankreich sind seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen insgesamt 239 Menschen getötet worden. (APA, 1.10.2017)