Kunden verlangen zunehmend nach pflanzlich gegerbtem Leder.

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Einst waren sie Aushängeschild für Umweltverschmutzung, Emissionen von Schadstoffen und ätzenden Geruch. Mittlerweile haben sich einige Gerber in Italien zu regelrechten Musterknaben der "grünen Wirtschaft" entwickelt. Die Entwicklung wurde durch die Nachfrage vorangetrieben: Öko- und Bioleder sind zum Renner der Modebranche geworden. Dabei wird ohne Chrom gegerbt, und die chemischen Zusatzstoffe werden reduziert. Leder aus industrieller Massenfertigung wird hingegen zum größten Teil mit giftigen Chemikalien behandelt.

Bekleidung aus Bioleder war etwa bei den jüngsten Modeschauen in Mailand der große Favorit. Auch bei Schultaschen und Handschuhen wird pflanzlich gegerbtes Leder immer öfter verwendet. "Die großen Modemarken zahlen bis zu 20 Prozent mehr, wenn wir eine nachhaltige Produktion garantieren", sagt Andrea Santori, Mitbesitzer der Gerberei Santori in der mittelitalienischen Region Marche.

Santori will im November sein zu 100 Prozent biologisch abbaubares Leder Naturella patentieren lassen. Und der Lederherstellerverband Unic hat das Markenzeichen Ecopelle (Ökoleder) deponiert. Das Produkt wird vorwiegend für die Schuh-, Möbel- und Autoindustrie eingesetzt.

Ätzender Geruch reduziert

In der Toskana, dem Herzen der italienischen Lederwarenmanufaktur, befindet sich der Ledercluster von Santa Croce. 527 Unternehmen beschäftigen dort insgesamt 5800 Arbeitnehmer.

Seit dem Jahr 2000 haben die Gerber dort jährlich rund zwei Prozent ihres Umsatzes in umweltfreundlichere Anlagen investiert. So wurde etwa Recycling forciert: 76 Prozent des Abfalls werden bereits wiederverwertet. Ein Großteil findet zum Beispiel in der Landwirtschaft Verwendung. In Santa Croce wurde eine Anlage mit energiesparenden Technologien errichtet, um die Schadstoffemission zu reduzieren und den ätzenden Geruch – bislang symptomatisch für die Gerberei – abzubauen.

Die Investitionen in nachhaltigere Produktion scheinen sich auch langfristig finanziell zu rentieren. Kunden im In- und Ausland wollen vermehrt umweltfreundlichere Produktion durch Pflanzengerbung, heißt es bei der Gerberei Antiba.

Auch aus Österreich wird Interesse signalisiert: Mitte November wird eine Gruppe von rund zehn Unternehmern zu den Ledermanufakturen in der Toskana reisen, um sich unter anderem über die umweltfreundlicheren Technologien zu informieren. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 13.10.2017)