Derzeit wird viel experimentiert mit Batterien, die eine möglichst große Reichweite von Elektroautos sicherstellen können. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt sieben Jahren, dann wird recycelt.

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Wien – Die Zulassungszahlen gehen zweistellig nach oben; dennoch führen Elektroautos nach wie vor ein Schattendasein. Das kann sich rasch ändern, zumal demnächst viele Modelle auf den Markt kommen, die über deutlich bessere Reichweiten verfügen und zudem erheblich billiger sind als die ersten elektrisch betriebenen Autos. So mancher Entsorger bringt sich bereits in Stellung.

Einer davon ist Saubermacher. Die Steirer haben 2015 die Mehrheit an Redux mit Standorten in Offenbach und Bremerhaven übernommen. Voriges Jahr hat sich Saubermacher das Unternehmen, einen früheren Geschäftspartner, komplett einverleibt. Bei Gerätebatterien reklamiert man einen Marktanteil von 30 Prozent und die Marktführung für sich, in der Verwertung von Lithium-Ionen-Batterien strebt man ebenfalls die Nummer-eins-Position an.

Recyclinganlage in Bau

Für das Recycling von Lithium-Ionen-Akkus, die unter anderem in Laptops, Mobiltelefonen, E-Bikes und Elektroautos verbaut sind, wird derzeit eine neue Anlage am Werksgelände in Bremerhaven errichtet. Ende Februar 2018 soll sie mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen in Betrieb gehen.

"Damit sollten wir in den nächsten drei, vier Jahren das Auslangen finden", sagt Hans Roth, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von Saubermacher, dem STANDARD. Der Rücklauf an Lithium-Ionen-Batterien aus E-Autos beschränke sich derzeit auf Unfallfahrzeuge und Ausschussware aus der Produktion. Die Batterien haben laut Roth eine Lebensdauer von sieben, acht Jahren. Erst dann sei mit einem stark steigenden Rücklauf zu rechnen.

Bremerhaven sei als Standort interessant, weil Schiffe anlegen können, die für Recycling bestimmte Batterien containerweise aus Skandinavien und Großbritannien heranschaffen können.

Teure Verfahren

Der Akku ist eine der Schlüsselkomponenten des Elektroautos und voll mit Wertstoffen. Neben Aluminium, Kupfer und Grafit sind auch seltene Metalle wie Lithium und Kobalt darin verbaut. Die Verfahren, um Lithium-Ionen-Akkus auseinanderzunehmen und zu recyceln, sind kompliziert und teuer. Eine Anlage in Österreich rechne sich wegen der fehlenden kritischen Menge an Batterien nicht, sagt Roth. Wie bisher werde man die knapp 2000 Tonnen an gesammelten Batterien in Deutschland recyceln.

Die Entsorgerbranche, die in Zeiten rückläufiger Konjunktur mit sinkenden Mengen recyclingfähigen Materials in Österreich kämpfen musste, hat wieder Tritt gefasst. "Die Mengen steigen wieder", sagt Roth, der aktuell auch Präsident der Vereinigung Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VÖEB) ist. Er beklagt im Namen der 220 Mitgliedsbetriebe, die direkt oder indirekt an die 47.000 Mitarbeiter beschäftigen, ein Übermaß an Bürokratie.

Forderung an neue Regierung

An die neue Regierung hat der Verband ein Papier mit acht Forderungen adressiert. Dazu gehört eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen Landesabfallwirtschaftsgesetze in einem einzigen Ressourcenwirtschaftsgesetz. Kommunen sollten sich auf die Daseinsvorsorge konzentrieren und den Privaten neben den Haushaltsabfällen nicht auch noch Altstoffe aus Industrie und Gewerbe streitig machen. Darüber hinaus fordert Roth als VÖEB-Präsident eine Bündelung der politischen Agenden der Entsorgungsbranche in einem eigenen Ministerium oder zumindest in einer eigenen Sektion.

Schmerzhaft für die Branche, letztlich aber auch für die Umwelt sei der anhaltende Abfallexport. Von 250.000 Altautos verschwinden laut Roth rund 75 Prozent aus Österreich, nur etwa 60.000 könnten ordnungsgemäß in österreichischen Anlagen verwertet werden. Elektroaltgeräte würden zu rund einem Viertel illegal ins Ausland gebracht, wertvolle Metallabfälle gingen dadurch verloren. (Günther Strobl, 12.10.2017)