Inzwischen stellt die Kanadagans in Europa die größte Gänseart in freier Wildbahn – sie übertrifft die Graugans knapp.

Foto: AP/Justin Connaher

Urbana/Wien – Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Kanadagans ist – erraten: Nordamerika. Die Vögel sind jedoch längst auch in Europa zu finden, wo sie teilweise auch gezielt angesiedelt wurden. Forscher in den USA haben in den vergangenen Jahrzehnten festgestellt, dass immer mehr dieser Vögel im Winter in große Städte ziehen – warum, ist nicht ganz klar. Denkbar wären günstigere klimatische Bedingungen als auf dem offenen Land, aber auch Vorteile bei der Nahrungssuche.

Um mehr über den Trend zur urbanen Überwinterung herauszufinden, statteten Biologen um Heath Hagy von der University of Illinois zwischen 2014 und 2016 insgesamt 41 Gänse im Großraum Chicago mit Sendern aus und verfolgten deren Winterwege mit. Bei der Auswertung der Daten stellte sich heraus: Alle Tiere, die die kalte Jahreszeit in der Stadt zugebracht hatten, überlebten, die meisten kamen im Jahr darauf wieder.

Menschen am Land meiden

Von den Gänsen, die auf dem Land überwintert hatten, kam hingegen nicht einmal die Hälfte durch. Das hatte zur Überraschung der Forscher aber weniger mit den klimatischen Bedingungen oder der Verfügbarkeit von Nahrung zu tun als gedacht: Wie sie in "The Condor: Ornithological Applications" schreiben, fielen die meisten Gänse auf dem Land nämlich Jägern zum Opfer.

Die Vögel könnten gelernt haben, dass kleine Gruppen von Menschen auf einem Feld im Herbst und Winter gefährlich sein können, während große Menschenansammlungen für sie eher harmlos sind, so die Forscher. Umgekehrt gilt das nicht immer, wie ein Vorfall im Jahr 2009 zeigte: Damals musste eine US-Passagiermaschine im Hudson River notwassern, weil kurz nach dem Start ein Schwarm Gänse ins Triebwerk geraten war. (dare, 12.10.2017)