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Russische Geheimdienste sollen das beliebte Smartphone-Spiel "Pokémon Go" genutzt haben, um eine Desinformationskampagne in den USA durchzuführen. Das zeigt ein Bericht des Fernsehsenders CNN, der sich auf Ergebnisse der parlamentarischen Untersuchung russischer Manipulation und Prüfungen großer IT-Konzerne beruft. So soll hinter einer Organisation namens "Dont Shoot Us", die vor Polizeigewalt gegen schwarze Bürger warnt, tatsächlich der russische Geheimdienst stecken. Im Fahrwasser von echten Bürgerrechtsinitiativen wie "Black Lives Matter" sollte so für eine Polarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft gesorgt werden.

Wettbewerb

Die Initiative "Dont Shoot Us", die auf die dubiose, Kreml-nahe "Internet Research Agency" in St. Petersburg zurückzuführen ist, betrieb etwa einen YouTube-Kanal, auf dem 200 Videos zu Polizeigewalt in den USA abrufbar waren. Auch eine Tumblr-Seite wurde gestaltet. Dort riefen die mutmaßlichen russischen Spione im Juli 2016 zu einem "Pokèmon Go"-Wettbewerb auf. Nutzer sollten Pokèmon an Orten von Polizeigewalt fangen, darunter ein Pokémon namens "Eric Garner". So hieß jener US-Bürger, der von einem Polizisten bei seiner Festnahme erwürgt worden war. "Dont Shoot Us" hatte potenziellen Gewinnern des "Wettbewerbs" Amazon-Geschenkgutscheine versprochen.

Russische Metadaten

Noch ist unklar, ob Nutzer an dem "Pokémon"-Event teilgenommen haben. Die Tumblr-Seite zu "Don’t Shoot Us" soll nun propalästinensische Propaganda betreiben, berichtet CNN. Zuvor hatte die Initiative etwa Journalisten kontaktiert und Demos auf Facebook angemeldet. Einer Reporterin waren Antworten zu einer Anfrage in einem auf Englisch verfassten Word-Dokument übermittelt worden – allerdings mit russischen Metadaten.

Desinformationskampagne

Mitarbeiter des US-Kongresses, die sich mit russischer Einflussnahme auf die US-Wahl beschäftigen, bestätigten CNN, dass "Dont Shoot Us" als Teil jenes Netzwerks gilt, mit dem Russland die Stimmung in den USA manipulieren wollte. Russische Agenten sollen dabei auf Desinformationskampagnen gesetzt haben. Dabei werden etwa legitime, echte Ereignisse wie Polizeigewalt auf die Spitze getrieben, um die Gesellschaft zu spalten. (fsc, 13.10.2017)