Lavar Ball will Aufmerksamkeit erregen, polarisieren, seine Kinder zu Marken aufbauen, die ihm Geld einbringen.

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Angeworfen hat die Geldmaschine sein ältester Sohn Lonzo (links). Seine jüngeren Kinder sollen nachfolgen.

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Lonzo Ball spielt seine erste Saison für die LA Lakers. Der 19-Jährige ist nicht nur ein Basketballer, sondern auch ein wandelnder Anlagefonds.

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Er ist laut, aggressiv und provoziert, wo er nur kann: Lavar Ball ist der Donald Trump des Basketballs. In den USA zieht der Vater der Top-Talente Lonzo (19), LiAngelo (18) und LaMelo (15) alle Aufmerksamkeit auf sich. Sein Hang zum Größenwahn äußert sich in Aussagen wie "Ich hätte Michael Jordan auf dem Spielfeld gekillt" oder in der Aufforderung an Nike, eine Milliarde Dollar für einen Sponsorvertrag mit seinen Kindern zu bezahlen.

Sachlichkeit sorgt in sozialen Netzwerken schon seit langem für Fadesse, Lavar Ball betreibt dagegen Selbstinszenierung professioneller als jeder andere. Sein ältester Sohn Lonzo hat es bereits in die NBA geschafft, er wurde von den Los Angeles Lakers im heurigen Draft an zweiter Stelle ausgewählt. "Für mich ist er besser als Steph Curry", sagt der Vater. Curry ist zweifacher NBA-Champion und wertvollster Spieler der Liga. Für NBA-Legende Charles Barkley "darf natürlich jeder stolz sein auf seinen Sohn, aber ab einem bestimmten Punkt ist es nur mehr Schwachsinn". Lavar Ball bot dafür an, dem korpulenten Barkley eine Schachtel Donuts zu schicken.

Teure Schuhe

Wer sein Schuhwerk nicht beim Deichmann kaufen muss, kann sich seit dem Sommer für Basketballschuhe der Marke Ball (Big Baller Brand) entscheiden, um nur 495 Dollar. Die Schuhe der NBA-Superstars LeBron James und Stephen Curry gibt es ab 100 beziehungsweise 80 Dollar. Eine Frechheit sei der Preis des Schuhs, hieß es in den USA. Lavar Ball verteidigte das Luxusschuhwerk in der Talkshow bei Ellen de Generes: "Wer sich nicht mit Leib und Seele dem Spiel verschreibt und nicht diszipliniert genug ist, um alles zu versuchen, diese Schuhe zu bekommen, ist kein big baller."

Und lieferte gleich einen Vorschlag mit, um das Geld reinzubekommen: "Ein bis zwei Jahre Flaschen und Pfand sammeln".

Lavar Ball will aus seinen Kindern keine anständigen Menschen machen, er will mit ihnen Milliarden verdienen. Lonzo, LaMelo und LiAngelo sollen die besten Basketballprofis werden, die es je gab. Ihre Karriere hat er schon vor deren Geburt geplant. Seine Frau Tina hat Lavar an der California State University in Los Angeles einst nicht zufällig getroffen. "Ich habe eine große, hübsche Stute gesucht." Sie ist 1,83 Meter groß, er 1,94 Meter. "Bei unserem ersten Date hat er mir gesagt, dass er sowieso nur Buben zeugen könne", sagte Tina. Echte (Über)zeugungskraft.

Verhaltensoriginell

Die Ball-Kinder sind schon eine Marke, ohne eine Minute NBA-Basketball gespielt zu haben. Lavar spricht in jede Kamera, die nicht rechtzeitig ausgeschaltet ist, steigt beim Wrestling in den Ring, liefert sexistische Schimpftiraden gegen weibliche Schiedsrichter und beleidigt weiße Mitspieler seines Sohnes ("Mit drei Weißen kann man nicht gewinnen ...").

Lavar Ball schießt sich auf eine Schiedsrichterin ein.
Ball Don't Lie

Ball reiht sich damit in eine Riege verhaltensorigineller Väter ein, die ihre Kinder wie Gegenstände benutzen, um zu Ruhm und Geld zu kommen. Richard Williams trieb seine Töchter Venus und Serena über die Tennisplätze, ein ganz trauriger Fall ist jener von Marv Marinovich, der seinen Sohn Todd zu einer Footballmaschine heranzüchtete – kein raffinierter Zucker, keine Konservierungsstoffe, kein Fastfood, keine freien Tage – und später als seelisches Wrack in die Drogenabhängigkeit trieb.

Eine rote Linie hat Lavar Ball überschritten, als er vor kurzem seinen 15-jährigen Sohn LaMelo aus der Highschool nahm. Stattdessen will Ball seinen Sohn die letzten zwei Jahre vor dem College zu Hause unterrichten.

"Ich kann mit dem Coach dort nichts anfangen, ich kann mit der Organisation dort nichts anfangen. Ich will keine Ablenkungen für Melo. Deshalb werde ich ihm Hausunterricht erteilen und aus ihm den besten Basketballspieler aller Zeiten machen", sagte Ball zu ESPN.

Lavar Ball im Ring: "Es gibt nur zwei Menschen, die besser sind als ich – und ich bin beide." Aha.
WWE

Lavar Ball spricht von einem Ball-Imperium. "Meine Kinder sind Anlagefonds. Es geht nicht darum, während ihrer Karriere zehn Jahre Geld zu verdienen, und nachher stehen wir mit nichts da. Wir wollen unendlichen Reichtum." (Florian Vetter, 13.10.2017)