Jean-Claude Juncker und Martin Selmayr. Beide wehren sich gegen den Verdacht, sie könnten Details zu ihrem Abendessen mit der britischen Premierministerin Theresa May weitergegeben haben.

Foto: AP / Virginia Mayo

London – Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat einem Zeitungsartikel zufolge "wütend" auf einen Bericht reagiert, wonach die britische Premierministerin Theresa May bei einem Abendessen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ängstlich und mutlos war. "Das Letzte, was sie will, ist, dass Theresa May inmitten der Brexit-Verhandlungen ersetzt wird", sagte eine hochrangige Quelle aus Berlin der britischen "Times" am Dienstag.

Daher sei Merkel "wütend" über den Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"), wonach May in Brüssel bei dem Abendessen vergangene Woche darum "flehte", dass ihr die EU in den Brexit-Verhandlungen entgegenkomme. "Ängstlich erschien Theresa May dem Kommissionspräsidenten, verzagt und mutlos", hatte die "FAS" ohne Angabe von Quellen und direkte Zitate geschrieben.

Sorge wegen möglichen Scheiterns

Der Quelle der "Times" zufolge ist zwar bekannt, dass Merkel die "Geduld mit den britischen Konservativen verloren hat"; die konservative Premierministerin zu ersetzen sei dennoch nicht in ihrem Sinn.

Merkels größte Sorge sei das Scheitern der Verhandlungen – und dass im Fall eines Zusammenbruchs von Mays Regierung der umstrittene Außenminister Boris Johnson ihr Nachfolger werden könnte. Anders als May wirbt Johnson für einen harten Bruch mit der EU. Ein deutscher Regierungssprecher wollte den "Times"-Bericht auf AFP-Anfrage nicht kommentieren.

Die EU-Kommission hatte die Angaben zu dem Abendessen ebenso zurückgewiesen wie Vorwürfe, Details zu dem Treffen an Medien weitergegeben zu haben. Juncker zufolge war das Abendessen mit May "ein gutes Treffen". Sein Kabinettschef Martin Selmayr sprach von einem "Versuch, die EU-Seite falsch zu bezichtigen" und die Brexit-Gespräche "zu untergraben". Der seit geraumer Zeit wegen seines Einflusses umstrittene Selmayr steht allerdings selbst im Verdacht, derjenige zu sein, der den Bericht weitergegeben hat. Er dementierte.

Anders als von London erhofft hatten die Staats- und Regierungschefs der EU bei dem Gipfel am Freitag noch nicht grünes Licht für den Start der zweiten Phase der Brexit-Verhandlungen gegeben. Dabei soll es um die künftigen Beziehungen und ein Handelsabkommen gehen.

Grund für die Verzögerung sind fehlende Fortschritte bei zentralen Austrittsfragen und insbesondere den Finanzforderungen der EU an London. Der Gipfel beschloss lediglich, nun intern Vorbereitungen für Phase zwei zu beginnen. Über deren Start soll nun beim nächsten Gipfel im Dezember entschieden werden. (APA, 24.10.2017)