Kölner Karneval ohne FC. Peter Stöger: "Die Mannschaft hat für sich beschlossen, dass sie morgen nicht rausgeht."

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Köln – Eigentlich wollte sich Peter Stöger am Samstag in den Trubel stürzen, genauso wie in den vier Jahren zuvor mit Lebensgefährtin Ulrike Kriegler in Köln den Karnevalsauftakt feiern. Aber angesichts der schwierigen Situation beim Bundesliga-Schlusslicht und immer neuer Hiobsbotschaften ist dem Wiener kurz vor Faschingsbeginn die Lust auf das närrische Treiben offenbar vergangen.

Auftritt beim Karneval unwahrscheinlich

Wahrscheinlich wird er am Samstag ähnlich wie seine Spieler auf das feucht-fröhliche Vergnügen in der Domstadt völlig verzichten. "Die Mannschaft hat für sich beschlossen, dass sie morgen nicht rausgeht", sagte Stöger am Freitag nach dem Training der in der Liga noch sieglosen Geißböcke. Er selbst habe im Gegensatz zu den vergangenen Jahren auch noch kein Kostüm parat.

Dabei hatte Stöger noch am vergangenen Sonntag nach dem deprimierenden 0:3 gegen 1899 Hoffenheim betont, dass der FC der aktuellen Krise trotzen und am Auftakt des Karnevals teilnehmen werde. "Es gibt Dinge, die kann man nicht verschieben. Weihnachten zum Beispiel, Geburtstage – oder den 11.11.", sagte der 51-Jährige: "Da ist es dann auch egal, ob man zwei oder 34 Punkte hat. Deshalb werde ich am Samstag unterwegs sein. Und ich bin sicher, dass man das in dieser Stadt versteht."

Heintz und Risse verletzt

Die schlechten Nachrichten unter der Woche haben Stöger aber offensichtlich zum Umdenken bewogen. Vor allem die schwere Verletzung von Innenverteidiger Dominique Heintz, eine der wenigen positiven Konstanten in der bisherigen Saison, hat spaßbremsende Spuren hinterlassen. Bei Heintz wurde ein Muskelsehneneinriss im linken Oberschenkel diagnostiziert, der ihn längere Zeit außer Gefecht setzt.

"Ich weiß nicht, wann er uns wieder zur Verfügung steht", sagte Stöger hörbar resigniert. Heintz selbst äußerte sich im Express positiv gestimmt: "Ich bin überzeugt, dass es auch ohne mich weitergeht. Die Jungs machen das." Zuvor hatte sich schon der dauerverletzte Kölner Mittelfeldspieler Marcel Risse wegen Schmerzen im rechten Knie für unbestimmte Zeit abgemeldet.

Zweckoptimistischer Keeper Horn

FC-Torwart Timo Horn bleibt aber trotz der neuerlichen Rückschläge optimistisch und sieht die Mannschaft besser aufgestellt als in der Abstiegssaison 2011/12. "Der Zusammenhalt heute ist viel besser. Wir sind immer noch in der Lage, das Feld von hinten aufzurollen. Als Gejagter lebt es sich immer schwerer, das haben wir damals zu spüren bekommen. Heute ziehen wir alle an einem Strang", sagte Horn dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Zudem brach der 24-Jährige erneut eine Lanze für seinen Coach, dessen vorzeitige Ablösung seiner Meinung nach keinen Sinn machen würde: "Weil Peter Stöger die Mannschaft über vier Jahre erfolgreich aufgebaut und geformt hat. Dass es seit ein paar Wochen nicht läuft, kann man nicht dem Trainer in die Schuhe schieben. Er macht nichts anders als in den Jahren zuvor." (sid, 10.11.2017)