2014 war das vermeintlich von Kasimir Malewitsch stammende Gemälde "Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat" über eine Schenkung in den Bestand der Kunstsammlung NRW gelangt. Untersuchungen ergaben, dass es erst Mitte der 1970er-Jahre und damit 40 Jahre nach dem Tod des Künstlers entstand.

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Eine Fälschung: Alexandra Exters "Farbdynamik (Blau-Weiß-Rot)" war 1998 im Kunstforum und 2007 in der Albertina öffentlich zu sehen. Batliner erwarb es aus einer Münchener Galerie.

Foto: Repro, Albertina-Katalog („Monet bis Picasso – Die Sammlung Batliner“)

Wien – Dass die russische Avantgarde zu einem der am häufigsten gefälschten Segmente der bildenden Kunst gehört, ist seit längerem bekannt. Dieser Tage scheinen sich an der Entlarvungsfront allerdings die Ereignisse zu überschlagen. Betroffen davon: die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (NRW) in Düsseldorf und die Albertina in Wien.

Wie das deutsche "Handelsblatt" aktuell berichtet, entpuppte sich jetzt ein vermeintlich von Kasimir Malewitsch geschaffene Werk als Fälschung. Die Ergebnisse diverser naturwissenschaftlicher Untersuchungen seien eindeutig, denn sie schließen eine Autorschaft des 1935 verstorbenen Künstlers aus, da es erst zwischen 1972 und 1975 entstanden sein dürfte.

Das Gemälde "Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat" stand sogar Pate für das Logo des Museums. Wäre es echt, läge der Wert laut Experten bei etwa 50 bis 80 Millionen Euro. Es war zusammen mit rund 40 Zeichnungen des Revolutionskünstlers 2014 als Geschenk einer Stiftung in den Bestand der Kunstsammlung NRW gekommen.

Laut "Handelsblatt" habe der Vertrag sogar einen Passus enthalten, "wonach eine wissenschaftliche Erforschung und sorgfältige Überprüfung der Provenienz" startete. Allein, diese verzögerte sich. Stattdessen präsentierte man das vermeintliche suprematistische Meisterwerk in Ausstellungen.

Reputationsverlust für Museen

Auch wenn Museen im Falle von Schenkungen oder Dauerleihgaben keine wirtschaftlichen Schäden entstehen mögen, der Reputationsverlust wiegt nicht minder schwer. Gegenwärtig ist davon auch die Albertina betroffen, konkret über die seit 2007 ebendort gastierende Sammlung Batliner. Erst jüngst hat Erhard Busek anlässlich des zehnjährigen Jubiläums in einem Kommentar die Großzügigkeit des Liechtensteiner Ehepaars und den damit verbundenen Zugewinn für "den Kulturplatz Wien und Österreich" gepriesen.

Der Leihvertrag für die Sammlung von Rita und Herbert Batliner läuft bis 2026, einige Werke mussten jedoch mittlerweile ausgesondert werden. Etwa Alexandra Exters "Farbdynamik (Blau-Weiß-Rot)", ein vermeintlich um 1916–18 entstandenes Gemälde, das mehrfach und auch in Wien ausgestellt war.

Es gehört zu einer Gruppe von Werken, für die – vergleichbar mit der Causa Beltracchi – eine Provenienz konstruiert worden war. Nach zwei Jahren Recherche hatte "Die Zeit" diesen Fall im Juli öffentlich gemacht. In Umfang dürfte es sich um einen der größten Fälschungsskandale der Nachkriegszeit handeln. Neben Museen waren hier auch Galerien, Händler und Sammler hintergangen worden, die für die fraglichen Werke Millionen bezahlt hatten.

Batliners Fehlkäufe

Der angebliche Sammler "Kurt Benedict" war eine reine Erfindung. Die ins Depot der Albertina verbannte Exter-Fälschung hat die gleiche Provenienz und war laut dem im Brandstätter-Verlag 2005 erschienen Bestandskatalog über die Galerie Biedermann (München) in den Besitz Herbert Batliners gewechselt.

Und es war nicht der einzige "Fehlkauf" des Liechtensteiner Rechtsanwaltes, wie diese Woche bekannt wurde. Laut einem Bericht des Züricher "Tages Anzeigers" seien weitere Fälschungen bei den Vorbereitungen zur Ausstellung "Chagall bis Malewitsch – die russische Avantgarde" (Albertina, Februar–Juni 2016) aufgeflogen. Umfangreiche Untersuchungen und Materialanalysen in London und Zürich disqualifizierten dabei insgesamt sieben Werke der Sammlung Batliner.

Einige dieser mutmaßlichen Fälschungen von Ljubow Popowa, Alexandra Exter, Alexander Rodtschenko und Iwan Puni soll er laut dem Zeitungsbericht bei der in Zürich ansässigen Galerie Orlando erworben haben. Für sie gilt die Unschuldsvermutung, die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat jedenfalls eine Überprüfung angekündigt.

Ob diese "Werke in Täuschungsabsicht oder im guten Glauben an Herbert Batliner veräußert wurden", könne Klaus Albrecht Schröder nicht sagen, zitiert die Liechtensteiner Tageszeitung "Vaterland" den Albertina-Direktor. Gesichert sei, dass diese Objekte "nicht aus jener Zeit der Künstler" stammen, "deren Namen sie tragen". Statistisch gesehen, müsse man laut Schröder "fast schon davon ausgehen, dass bei einer Sammlung von rund 500 Kunstobjekten" auch solche dabei seien, "die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein". (Olga Kronsteiner, 10.11.2017)