"Es besteht die reale Gefahr, dass die technologische Innovation der zivilen Kontrolle entgleitet", befürchtet Uno-Abrüstungsexpertin Izumi Nakamitsu.

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An der Grenze zu Nordkorea bewachen südkoreanische "Killerroboter" den Todesstreifen zwischen den verfeindeten Staaten. Konstruiert wurden die Maschinen von Samsung: Die Apparate überwachen Gebiete, identifizieren Eindringlinge und können das Feuer eröffnen. Alles automatisch. Menschen spielen bei der Entscheidung über Leben und Tod keine Rolle. Schon bald könnten Roboter, die selbstständig kämpfen und töten, auch in anderen Konfliktsituationen eingreifen – und so die Kriegsführung in unheimlicher Weise revolutionieren.

Das jedenfalls befürchten Experten wie die Uno-Abrüstungsexpertin Izumi Nakamitsu: "Es besteht die reale Gefahr, dass die technologische Innovation der zivilen Kontrolle entgleitet." Der Missbrauch künstlicher Intelligenz habe "potenziell katastrophale Konsequenzen".

19 Länder verlangen globale Ächtung

Die Entwicklung von Killerrobotern stößt bisher an keine völkerrechtliche Grenze. "So weit sind wir noch nicht", sagt der indische Diplomat Amandeep Gill, der bis Freitag eine Uno-Konferenz in Genf leitet. Ihr Auftrag: die militärischen und ethischen Dimensionen dieser autonomen Waffensysteme auszuloten. Bloß 19 Länder verlangen bisher die globale Ächtung der Killerroboter. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch fordern: "Maschinen dürfen nicht über Leben und Tod von Menschen entscheiden."

Hinter den Kulissen bremsen genau die Länder, die bei der Verschmelzung künstlicher Intelligenz und Kriegsgerätschaft schon weit sind: USA, Großbritannien, China, Israel, Russland und Südkorea. Schon warnen Experten vor einem unkontrollierten Wettrüsten. Der Chef des Technologiekonzerns Tesla, Elon Musk, und mehr als 100 andere Fachleute malten daher in einem offenen Brief ein düsteres Szenario: Killerroboter seien die dritte Revolution der Kriegsführung – nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atomsprengköpfe. Falls die neuen Waffen in die Hände von "Despoten und Terroristen" fielen, wäre der totale Schrecken vorprogrammiert.

Roboter befehligen Roboter

Die Roboter, von Algorithmen gesteuert, sind entweder stationär oder mobil. Letztere können in Marsch versetzt werden – im Extremfall durch andere Roboter. Sollten einmal auch Drohnen autonom agieren, wären auch sie Killerroboter.

Bonnie Docherty, Waffenexpertin bei Human Rights Watch, betont: Da den Killerrobotern menschliches Feingefühl und emotionale Intelligenz fehlen, "können sie nicht zwischen Soldaten und Zivilisten unterscheiden". Die Roboter seien ebenso außerstande zu erkennen, ob Soldaten verletzt sind oder nicht. Doch Zivilisten und kampfunfähige Soldaten genießen den besonderen Schutz des Völkerrechts.

Ebenfalls dürfte es den Maschinen schwerfallen, die Verhältnismäßigkeit von Angriffen oder Gegenangriffen richtig einzuschätzen. Mögliche Folge: Eskalation. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, 13.11.2017)