Die Flugshow in Dubai dauert noch bis Donnerstag.

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Wenn sich das Flugzeug nicht mehr verkauft, wird es wenigstens gefeiert: Vor zehn Tagen hatte Airbus der Fluggesellschaft Emirates ihren hundertsten A380 ausgeliefert. Das geschah in Erfüllung eines weit zurückliegenden Vertrages. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Golf-Airline, Scheich Ahmed bin Saed Al Maktum, ließ bei der feierlichen Zeremonie in Hamburg durchblicken, bei der folgenden Airshow in Dubai könne Airbus mit einem neuen Großauftrag für seinen doppelstöckigen Riesenflieger rechnen.

Bis an den Sitz des europäischen Flugzeugbauers im südfranzösischen Toulouse herrschte hörbares Aufatmen: Seit mehr als einem Jahr hat er von seinem Prestigeflieger kein einziges Exemplar mehr abgesetzt. Am Wochenende beeilte sich die ganze Chefriege nach Dubai, um die Frohbotschaft verkünden zu können; die Medien spekulierten nur noch, ob Emirates wohl 36 oder 38 Maschinen des 430 Millionen Euro teuren A380 kaufen würden.

In Dubai erfolgte in der Tat eine Ankündigung über einen Megadeal. Der Verkäufer war aber nicht Airbus, sondern Boeing. Die Amerikaner erhielten von Emirates zur allgemeinen Überraschung einen Bauauftrag über 40 B787-10 im Wert von 15,1 Milliarden Dollar.

Der A380, von amerikanischen Medien bereits zum "Ladenhüter" gestempelt, hätte einen neuen Auftrag dringend benötigt. Die Werke in Hamburg und Madrid sowie die Endmontage in Toulouse laufen seit bald einem Jahr auf dem minimalen Produktionsrhythmus. Andere Airlines als Emirates verlieren zunehmend das Interesse an Großraumflugzeugen mit 500 Sitzen. Das Passagiervolumen nimmt zwar weltweit zu, weshalb Airbus – anders als Boeing – den Bedarf an A380 auf Jahrzehnte hin als ausgewiesen annahm. Doch das internationale Flugverkehrsmanagement ist in den letzten Jahren stark perfektioniert worden; die Airlines meistern ihr zunehmendes Passagiervolumen deshalb auch mit mittelgroßen Flugzeugen.

Zu diesen gehört auch der später entwickelte A350, der ähnlich tiefe Kosten pro Sitzplatz wie der A380 bietet. Außerdem zeigen US-Airlines dem europäischen Riesenflieger im wichtigsten Markt Nordamerikas die kalte Schulter, so wie sie es früher mit dem britisch-französischen Überschallflugzeug Concorde getan hatten.

Hohe Entwicklungskosten

Das bedroht die gesamte Airbus-Strategie, die auf einer kompletten Angebotspalette aufgebaut und Entwicklungskosten von zehn Milliarden Euro für den A380 in Kauf genommen hatte, um den legendären Boeing-Rivalen B747 auszustechen. Dabei hätte auch der neue Emirates-Großauftrag Airbus nicht mehr als eine Verschnaufpause verschafft. Noch sind 100 A380-Aufträge anhängig, was die zurückgefahrene Produktion auf mehrere Jahre sichert. Mögliche Abbestellungen sind dabei aber ausgerechnet. Und vor allem zögert Airbus selber, wie von den Airlines verlangt, neue Mittel in die Weiterentwicklung des A380 zu stecken – sei das mit komplett neuen Motoren oder bloß mit aerodynamischen Winglets an den Flügelspitzen.

Diese Selbstzweifel sind letztlich der Grund, dass Emirates den Kauf neuer A380-Maschinen aufgibt oder zumindest vertagt. Der Chef der staatlichen Airline Dubais, Tim Clark, erklärte, er brauche zuerst die Garantie, dass Airbus den A380 "mindestens zehn Jahre" weiterbaue. Sonst lohnten sich die Investitionen nicht. (Stefan Brändle aus Paris, 14.11.2017)