Demonstrationszüge gegen den Klimawandel ("No climate change") ziehen am Samstag durch Bonn. Bei den Treffen wird politisiert: Taiwans Umweltminister konnte nicht teilnehmen.

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Taipeh – Auf Druck Chinas hin konnte der taiwanesische Umweltminister Lee Ying-yuan nicht an einem Treffen zum Klimawandel beim Weltklimagipfel in Bonn teilnehmen. China habe interveniert und Lee so daran gehindert, an der UN Framework Convention on Climate Change mitzuwirken, sagte Taiwans Außenminister David Lee am Montagabend. Der Minister wäre sogar als Vertreter einer Nichtregierungsorganisation aufgetreten.

Taiwan und China befinden sich seit Jahrzehnten in Konflikt über den Status der Insel Taiwan. China erhebt Anspruch auf die Insel als Teil ihrer Ein-China-Politik, und erkennt daher Taiwans Regierung offiziell nicht an. Diese wiederum verfolgt ebenfalls eine Ein-China-Politik, die sie aber aufgrund des eklatanten Machtgefälles nicht durchsetzen kann. Seit Jahrzehnten balanciert sie das eigene Unabhängigkeitsverständnis und Chinas Ansprüche aus.

Härtere Töne

Seitdem Tsai Ing-wen zur Präsidentin des Landes gewählt wurde, haben sich die Beziehungen weiter verschlechtert. China ist der Meinung, dass Tsai formal die Unabhängigkeit gegenüber China erreichen wolle. Tsai sagt wiederum, sie wolle den Frieden erhalten, aber Taiwans Demokratie und Sicherheit verteidigen.

Taiwans Außenministeriumssprecher Andrew H. C. Lee erklärte, dass die Präsidentin den Klimawandel für ein wichtiges Thema halte und die Insel an internationalen Treffen teilnehmen wolle. Dazu gehörten seit spätestens 2009 auch Klimatreffen auf Uno-Ebene.

Bereits von einem Klimatreffen in Genf in diesem Jahr wurde Taiwan ausgeschlossen – laut Regierung ebenfalls auf Druck Chinas. (Reuters, red, 14.11.2017)