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Fofi Gennimata, die Chefin der ehemals großen sozialistischen Partei Pasok, stellt sich am Sonntag der Stichwahl um den Vorsitz der neuen Sammelpartei der linken Mitte. Name und Programm der Partei stehen noch nicht fest.

Foto: imago/Pacific Press Agency/George Panagakis

Es gibt noch keinen Namen und – wohl wichtiger – auch kein Programm. Doch die beiden Bewerber für den Vorsitz einer neuen Sammelpartei der linken Mitte in Griechenland stehen immerhin fest: Fofi Gennimata, die Chefin der ehemals großen sozialistischen Partei Pasok, und Nikos Androulakis, ein jüngerer Politiker derselben Partei, treten beim Stichentscheid am kommenden Sonntag an. Wählen kann, wer drei Euro entrichtet und bereits bei der ersten Runde am vergangenen Sonntag abgestimmt hat. 210.000 Griechen taten das.

Die unerwartet große Beteiligung hat überrascht und wird vielfach als Ausdruck des Unmuts über die linksgeführte Regierung von Alexis Tsipras und als Wunsch nach Veränderung gewertet. Gennimata sprach von einem "politischen Schockereignis" für das Land.

Doch dann wiederum gab es auch nicht wenige Enttäuschte. Denn schließlich ist das Projekt einer neuen Sammelbewegung der linken Mittel als Alternative zur Regierungspartei Syriza von Alexis Tsipras gedacht. Neun Kandidaten hatten sich beworben, darunter der parteilose Athener Bürgermeister Giorgos Kaminis und der Vorsitzende der Bürgerbewegung To Potami (Der Fluss), Stavros Theodorakis. Am Ende aber, so stellte Rania Svigou, die Sprecherin von Syriza, ironisch fest, sei die Bildung einer neuen Partei zu einer internen Angelegenheit von Pasok geworden: Gennimata oder Androulakis, Pasok oder aber Pasok.

Zur Minipartei geschrumpft

Mit knapp 44 Prozent und dem Versprechen sozialer Wohltaten war die Sozialistenpartei 2009 zurück an die Regierung gekommen. Wenige Wochen nach der Wahl zeichnete sich der finanzielle Bankrott Griechenlands ab. Noch weit mehr als die konservative Nea Dimokratia (ND) straften die Griechen die Sozialisten für den jahrzehntelangen Nepotismus und für die Sparauflagen der Kreditgeber ab. Pasok ist heute eine Kleinpartei. Bei der Parlamentswahl im Herbst 2015 kam sie nur im Verein mit einer anderen linken Liste auf 6,3 Prozent und 19 Sitze. Ihre Wähler verlor sie an Alexis Tsipras, ihre Millionenschulden kann sie nicht zahlen. Nun versucht Pasok ein Comeback.

Ob die anderen Mitstreiter im linksliberalen Lager mitziehen, ist ungewiss. Athens Bürgermeister Kaminis gab wohl eine unterstützende Erklärung für den Fortgang der Parteigründung ab, doch er hat keine politische Organisation hinter sich. Kaminis landete bei der Basiswahl am vergangenen Sonntag mit zwölf Prozent auf dem dritten Platz. Theodorakis wiederum sieht sich nach seiner Niederlage bei der Vorwahl mit sechs Prozent heftiger Kritik innerhalb seiner Partei Potami ausgesetzt; seine Gegner zweifeln am Sinn der ganzen Unternehmung einer neuen Mitte-links-Partei.

In der Küche von Pasok sieht es Kennern der Partei zufolge nun so aus: Die seit 2015 amtierende Vorsitzende Fofi Gennimata kann sich auf die ältere Wählerklientel von Pasok stützen, die noch ihren Vater Giorgos Gennimatas kannten, einen Widerstandskämpfer und langjährigen Minister des Pasok-Gründers Andreas Papandreou. Fofi Gennimata erhielt knapp 47 Prozent und geht als Favoritin in die Stichwahl am Sonntag. Ihr Gegner, der 38-jährige Europaabgeordnete Nikos Androulakis, gilt als Strohmann des früheren Pasok-Chefs Evangelos Venizelos. Er kam auf 27 Prozent.

Weihnachtsmann Tsipras

Für Alexis Tsipras ist die Mutation des Projekts Mitte-links-Partei zu einer Veranstaltung der alten Pasok eine eher gute Nachricht. Der griechische Premier kündigte am Dienstag ähnlich wie im Vorjahr die Verteilung von 1,4 Milliarden Euro an Überschuss im Haushalt an kleine Pensionisten und Arbeitslose im Dezember an. (Markus Bernath aus Athen, 15.11.2017)