Einstmals begehrte Event-Location: das Weiße Haus. Mit dem Veranstalterwechsel hat die Attraktivität etwas nachgelassen.

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Washington – Einladungen ins Weiße Haus waren schon einmal problemloser. Nach abfälligen Bemerkungen Donald Trumps über Sportler, die gegen Rassismus protestierten, schlug dem US-Präsidenten eine Welle der Kritik aus dem Spitzensport entgegen. Das geriet zeitweise zum reinsten Wettlauf, wer schneller bekundet, dass er an einem Treffen nicht interessiert ist: die Sportler, die nicht ins Weiße Haus kommen wollten, oder Trump, der Ausladungen verteilte, ehe er weitere Abfuhren kassieren konnte.

Ein ähnliches Phänomen zeigte sich nun in einem anderen Bereich, der Wissenschaft. Das Weiße Haus plante kein Treffen des Präsidenten mit den US-amerikanischen Nobelpreisträgern ein, ehe diese zur Gala nach Stockholm abreisen – eine Tradition, die mit wenigen Unterbrechungen bis in die Ära Clinton zurückreicht. Als Grund gab ein Sprecher des Weißen Hauses die jüngste Asienreise Trumps an. Der Präsident hätte dadurch nicht rechtzeitig zu einem Treffen kommen können, das terminlich traditionell an einen Empfang in der schwedischen Botschaft anschließt.

Von den acht 2017 gekürten Laureaten aus den USA wären aber ohnehin einige nicht gekommen. Das Gesundheitsportal "Stat", das das Thema als erstes aufgriff, berichtete, dass zwei der von ihm kontaktierten Nobelpreisträger keine Begegnung mit Trump wünschten. Joachim Frank, Chemie-Preisträger für die Entwicklung der Kryoelektronenmikroskopie, erklärte gegenüber "Stat" gallig, er werde keinen Fuß ins Weiße Haus setzen, solange es von Trump, von (Noch-)Vizepräsident Mike Pence oder "in einer möglichen Abfolge von Impeachments" vom aktuellen Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan besetzt sei. (jdo, 15. 11. 2017)