Überschwemmungen, im Bild ein Maisfeld im US-Bundesstaat Illinois, und Dürren in anderen Teilen der Welt schließen sich nicht aus. Das Wetterphänomen La Niña könnte sich im Lauf des heurigen Winters wieder einstellen und für schlechte Ernten in diversen Regionen sorgen.

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Wien – Verschiedenste Indizien weisen darauf hin, dass sich im Dezember im Pazifik neuerlich das Wetterphänomen La Niña aufbauen wird – mit möglicherweise katastrophalen Folgen in einzelnen Weltregionen und nicht zuletzt steigenden Lebensmittelpreisen aufgrund zunehmender Knappheit.

"Wir sehen eine deutliche Gefahr am Horizont, was die globalen Lebensmittelpreise im Jahr 2018 betrifft", zitiert der "Guardian" Stefan Vogel, Analyst bei der Rabobank. Die Lebensmittelpreise waren zuletzt über mehrere Jahre relativ stabil mit zum Teil sinkender Tendenz. Damit könnte ab kommendem Jahr Schluss sein, wenn sich das Wetterphänomen tatsächlich einstellt.

Wetterschaukel

La Niña ist Teil einer Wetterschaukel, die alle paar Jahre hin- und herschwingt. "Das Mädchen", wie das Wetterphänomen auf deutsch übersetzt heißt, tritt meist im Anschluss an ein El-Niño-Ereignis auf. Es ist sozusagen dessen Gegenstück. La Niña geht mit überdurchschnittlich hohen Luftdruckunterschieden zwischen Südamerika und Indonesien einher. Das führt zu stärkeren Passatwinden, die das warme Oberflächenwasser des Pazifik verstärkt nach Südostasien treiben. Vor der Küste Perus strömt als Folge mehr kaltes Wasser aus der Tiefe nach, das bis drei Grad Celsius unter der Durchschnittstemperatur liegt. Folge: In Südamerika regnet es weniger, die Wüsten dörren noch mehr aus. In Nordamerika hingegen wird das Auftreten von Hurrikanen begünstigt.

Hohe Wahrscheinlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich La Niña in diesem Winter bildet und die nördliche Hemisphäre beherrscht, liegt nach Einschätzung der National Oceanic and Atmospheric Administration, die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA, bei 65 bis 75 Prozent. Allgemein wird zwar nicht erwartet, dass La Niña so stark ausfällt wie zwischen 2010 und 2012, als besonders schwere Dürren in Kernanbaugebieten wie dem Mittleren Westen der USA Enten fast komplett zerstörten und lang anhaltender Starkregen zum Beispiel in Kolumbien zur Verbreitung eines Pilzes beitrug, der sich in Kaffeeplantagen mit großer Geschwindigkeit ausbreitete. Dennoch könnte es spürbare Preiseffekte geben.

Besonders gefährdet sehen die Analysten der Rabobank die Palmölernte in Südostasien, wo überdurchschnittliche Regenmengen mit örtlichen Überschwemmungen erwartet werden. Dürre beziehungsweise unterdurchschnittlich wenig Regen könnte Getreide- und Sojaernten in Teilen von Argentinien, Peru, im Süden Brasiliens und in den USA beeinträchtigen. (Günther Strobl, 21.11.2017)