Extrem breiter, freistehender Bildschirm, lässige Lichtspiele und ein breiter "Muskel", der das alles trägt: Interieur der neuen A-Klasse.

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Schönheit, ikonisch aufgeladen ...

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... da ist nicht unbedingt ostkirchliche Kunst gemeint, sondern zum Beispiel ästhetische Variationsvielfalt, wenngleich für Mutter, Sohn, Vater, Tochter reichlich Platz ist.

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Interieur-Chefdesigner Hartmut Sinkwitz im neuen A-Gestühl.

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Stuttgart – Das war dem Standard-Emissär gar nicht so bewusst gewesen, aber mit dem Baby-Benz, der kleinsten Baureihe aus dem Hause des Erfinders des Automobils, wurde schon immer enge Tuchfühlung zum jeweiligen Stand der kommunikationstechnologischen Ästhetik gesucht.

Als vor 20 Jahren die erste A-Klasse vorfuhr, Stichwort Elchtest, waren die Lüftungsdüsen in dem Oval-Design gehalten, das auf den Tasten der Handys zu finden war. Bei Generation drei (ab 2012) waren Smartphones und Tablets in aller Munde, prompt wanderte ein freistehender liegender Infotainment-Hauptschirm liegend auf die Mittelkonsole. Bei der vierten Auflage, die im Frühjahr auf den Markt kommt, sind Vernetzungsthemen omnipräsent, bis hin zum induktiven Ladeteil im Mittelfach.

Ask Mercedes

Über den virtuellen Assistenten "Ask Mercedes" sind unter anderem asoziale Medien (Facebook Messenger) nutzbar, auch Sprachassistenten wie Google Home und Amazon Echo, über In-Car-Office wird das Büro noch mobiler als jetzt schon, und wer das alles als Verheißung empfindet, kann das gern tun. Das Auto als letzte kontemplative Rückfallebene – häh?

Zurück zum Greifbaren. Beim Styling der Lüftungsdüsen orientiert man sich in der neuen A-Klasse am Design von Flugzeugturbinen, und wenn du die Heizung wärmer stellst, leuchten die Düsen kurzzeitig rot. Nur ein Beispiel dafür, was die LED-Lichtrevolution alles bewirkt. Vor der geneigten Fahrerin oder dem ebensolchigen Fahrer befindet sich ein freistehender Widescreen-Schirm, zusammengesetzt aus zwei 10,25-Zoll-Displays – 32 Zentimeter insgesamt unter Verbundglas.

Sinnliche Klarheit

Aufgesetzt ist er auf einen breiten "Muskel", wie die Designer sagen, und entfaltet nächtens die Ambientebeleuchtung ihre Wirkung, wirkt es fast, als würde auch dieser Korpus schweben – und hinter allem schwebt auf einer Metaebene die neue Designphilosophie der sinnlichen Klarheit. Hinsichtlich Qualitätsanmutung und Variationsvielfalt der Materialien erreicht die A-Klasse ebenfalls ein ganz neues Niveau.

Scheibchenweise Annäherung

Doch schön der Reihe nach. Die Rede ist von einem Techniktag in Stuttgart, bei dem Mercedes erstmals Einblick in die neue A-Klasse gewährte. Höhepunkt nach den einzelnen Workshop-Stationen war ein Probesitzen, das oben Geschilderte fasst primäre Impressionen zusammen.

Zu denen auch noch zählen würde, dass das äußere Erscheinungsbild noch getarnt war und über die Außenabmessungen nichts bekannt (gegeben) wurde. Ausrechnen kann man sich aber Folgendes. Wenn der Wagen mehr Platz bietet für Ellbogen (kommt der gleichnamigen Gesellschaft entgegen), Schultern, Kopf und Kofferraum (plus 29 Liter, 20 cm breitere Ladöffnung) wird die A-Klasse wohl auch außen moderat zulegen. Mal sehen, ob die absolute Kompakt-Schmerzgrenze von 4,40 m überschritten wird. Man erinnere sich: Die erste A-Klasse maß 3,58 m – auf 3,50 m bringt es der gegenwärtige Smart Forfour.

Zielgruppenanalyse

Innen wie außen will Mercedes der sportlichste Anbieter bleiben, der man laut Selbstwahrnehmung seit zuletzt war – ein Umstand, der auch besonders viele Damen beeindruckt hat (die bleiben denn auch für die Neuauflage eine eminent wichtige Zielgruppe; für die G-Klasse ist sie kleiner, aber nicht minder leidenschaftlich) sowie jüngere Menschen: Im Schnitt ist die A-Klasse-Klientel 13 Jahre jünger als die restliche von Mercedes.

Beim Bedienkonzept verabschiedet sich die A-Klasse, leider, vom Dreh-Drück-Knopf-Ansatz. Immerhin kann man alle Funktionen über zwei Touch-Tasterln im Lenkrad bedienen, der Ablenkungsfaktor hält sich folglich in Grenzen, alles wird gut, und apropos Volant: Die A-Klasse übernimmt volley jenes der S-Klasse.

Die Frontantriebsbaureihe wächst von derzeit fünf – A, B, CLA, CLA Shooting Brake, GLA – auf acht Mitglieder. Dass einer der Neuzugänge eine Limousine sein wird, pfeifen die Spatzen schon lange von den Dächern. (Andreas Stockinger, 2.12.2017)