Im Mai 2016 strandete an der Küste von Chatham im US-Bundesstaat Massachusetts ein junger Atlantischer Nordkaper (Eubalaena glacialis). Die Bartenwalart ist nach Einschätzung von US-Biologen akut vom Aussterben bedroht.

Foto: AP/International Fund for Animal Welfare

Portland – 2017 war kein gutes Jahr für den Atlantischen Nordkaper. Experten haben bereits in den vorangegangenen Jahren davor gewarnt, dass die Bartenwalart akut gefährdet ist. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt aber, dass es mit den bis zu 18 Meter langen Meeressäugern mittlerweile schneller bergab geht als befürchtet: Von den geschätzten noch existierenden 450 Individuen sind seit Beginn des letzten Jahres 17 Tiere gestorben.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, befürchten Biologen von der US-Wetter- und Meeresbehörde NOAA, dass die Art schon in wenigen Jahren aussterben könnte. Ohne entsprechende Schutzmaßnahmen wird der Nordkaper womöglich nicht mehr zu retten sein, meint NOAA-Administrator John Bullard. "Wir nehmen ganz bewusst das Wort 'Aussterben' in den Mund, weil das die aktuelle Entwicklung tatsächlich am besten beschreibt", so der Wissenschafter.

Kollisionen, Netze und wenige Weibchen

Die globale Population des Atlantischen Nordkapers ist seit 2010 signifikant geschrumpft. Zwei der häufigsten Todesarten der Tiere haben mit dem Menschen zu tun: Viele Exemplare sterben bei Kollisionen mit Schiffen oder ertrinken, wenn sie sich in Fischernetzen verfangen. Für die Art besonders bedrohlich sei laut Bullard die Tatsache, dass von den inzwischen weniger als 450 Tieren nur 100 Individuen Weibchen im gebährfähigen Alter sind.

"Das bedeutet, dass jedes Jahr mehr dieser Wale getötet werden als zur Welt kommen", rechnet Christin Khan von der NOAA vor. "Wenn wir nichts dagegen tun und der Trend sich nicht umkehren lässt, könnte der Atlantische Nordkaper in den kommenden Jahrzehnten gänzlich verschwunden sein", so der Meeresbiologe. (tberg, 15.12.2017)