Eine Unterwassereruption läutete weithin hörbar die Geburt der Insel ein.
Foto: AP Photo/New Zealand's Ministry of Foreign Affairs and Trade

Nukuʻalofa/Greenbelt – 2015 erhielt die Welt ein Neujahrsbaby der besonderen Art – und es wurde (inoffiziell) auf den klingenden Namen Hunga Tonga-Hunga Haʻapai getauft. Ende Dezember 2014 begann ein Ausbruch eines Unterwasservulkans in der Region des Königreichs Tonga im Südpazifik. Als sich die Rauchschwaden, die bis zu neun Kilometer hoch gestiegen waren und Flugzeuge zu Kurswechseln gezwungen hatten, im neuen Jahr legten, kam darunter eine neugeborene Insel zum Vorschein.

Geologisch betrachtet, handelt es sich dabei um einen alltäglichen Vorgang. Auf der weit kürzeren Zeitskala des Menschen ist es jedoch ein seltenes Ereignis. Ein vergleichbarer Fall ereignete sich im November 1963 auf der anderen Seite der Welt, als die Vulkaninsel Surtsey vor der Südküste Islands entstand.

NASA Goddard

Oft verschwinden solche Inseln sehr rasch wieder, da sie aus wenig stabilem Eruptivgestein bestehen. Auch Hunga Tonga-Hunga Haʻapai hatte man zunächst nur eine sehr kurze Lebensdauer attestiert, doch die Insel ist immer noch da. Es sei erst die dritte neue Vulkaninsel in den vergangenen 150 Jahren, die länger als ein paar Monate Bestand hat, berichten Forscher des Goddard Space Flight Center der NASA.

Und in einem Punkt handelte es sich überhaupt um eine Premiere: Zum ersten Mal konnte man den "Lebenszyklus" einer Insel fast von Anfang an per Satellit mitverfolgen. Seitdem wird Hunga Tonga-Hunga Haʻapai monatlich sowohl per Radar als auch mit optischen Sensoren erfasst. Hochauflösende Bilder und 3D-Karten der Inseltopographie ermöglichen es, genau mitzuverfolgen, wie sich der Küstenverlauf und das über Wasser liegende Volumen verändern und wie stark die Insel der Erosion durch das umgebende Meer ausgesetzt ist.

Diese Klippen sind nicht für die Ewigkeit gemacht.
Foto: APA/AFP/NASA

Im Kern handelt es sich bei der kleinen Landmasse um einen Kegel aus porösem Tuff, der auf einer Fläche von einem mal zwei Kilometern aus dem Wasser ragt und am höchsten Punkt 120 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Seit ihren Anfangstagen hat die Insel allerdings einige dramatische Veränderungen durchlebt.

Zunächst war sie noch mit ihrer älteren westlichen Nachbarinsel verbunden. Die fragilen Tuff-Klippen wurden jedoch abgetragen und die Sedimente verlagerten sich, bis sich eine Verbindung zur östlichen Nachbarin bildete. Kurz darauf wurde die innere Kraterwand im Südosten der Insel von den Wellen überspült und es entstand eine Bucht, die durch eine Sandbank aber bald wieder geschlossen wurde.

All das ereignete sich in den ersten sechs Monaten der Insel. Und seitdem ist Hunga Tonga-Hunga Haʻapai erstaunlich stabil geblieben. Ein NASA-Team um Jim Garvin und Dan Slayback hat die Lebensdauer der Insel nun neu berechnet und kommt wahlweise auf einen Wert von sechs bis sieben oder sogar 25 bis 30 Jahren Lebenserwartung. Welches der beiden Szenarien eintritt, hängt davon ab, ob in weiterer Folge die schnelle Erosionsrate der ersten Monate oder die langsamere der Folgezeit an der Insel nagt.

Das Ende der Insel wird deutlich weniger spektakulär ausfallen als ihr Beginn.
Foto: AP Photo/New Zealand's Ministry of Foreign Affairs and Trade

Dauerhaft werden sich die Seevögel, die Hunga Tonga-Hunga Haʻapai schon jetzt als neue Nistplatzmöglichkeit nutzen, hier wohl nicht niederlassen können. Allerdings hat sich das ferne Surtsey auch als viel hartnäckiger als erwartet erwiesen. Dort soll nach der Eruption eine Reaktion des erwärmten Meerwassers mit der Asche die chemische Zusammensetzung des porösen Gesteins verändert und es erosionsbeständiger gemacht haben. Weitere Forschungen sollen klären, wie sehr ein solcher Effekt auch im Fall von Hunga Tonga-Hunga Haʻapai greifen könnte.

Und weil es Forscher der NASA sind, sehen sie nicht nur eine Verbindung zwischen den beiden Inseln in Südpazifik und Nordatlantik, sondern auch eine noch sehr viel weiter reichende: Inseln wie diese könnten vor Jahrmilliarden auch auf dem damals noch blauen Mars entstanden sein, sagt Garvin. Hunga Tonga-Hunga Haʻapai könnte daher zu Vergleichen mit Formationen auf dem Mars herangezogen werden. Daraus ließen sich dann Rückschlüsse ziehen, ob die marsianischen Inseln aus einem Ozean oder nur aus kurzlebigen Seen auftauchten. (jdo, 17. 12. 2017)