"40 Jahre The Kelly Family": Die Rückseite des Lächelns

Was bei den verbliebenen Familienmitgliedern haften bleibt, sind Erinnerungen, welche die Tage der Kinderarbeit streifen

Ljubiša Tošić

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Wenn die aktuellen Kellys alte Hadern schmettern, ist Stimmung da.

Foto: screenshot rtl.de

RTL-Moderator Oliver Geissen hat was vom charmanten Joker, der Batman Arbeit bereitet und um giftige Scherzchen nie verlegen ist. Um Geissen herum jedoch Menschen mit wenig heiteren Bios: 40 Jahre The Kelly Family stehen zwar auf dem Feierprogramm (samt Tour, die am 9. 3. 2018 in die Stadthalle führt). Doch die Mienen der sieben, die nun wieder singend Familienaufstellung betreiben, strahlen eher Ernst aus.

Den hätte Geissen wohl gerne weg. Und wenn die aktuellen Kellys alte Hadern (ein paar Oktaven tiefer als früher) schmettern, ist ja Stimmung da. "Wir sind bitte nicht auf Arte!", würde Geissen wohl sagen.

Was bei den verbliebenen sieben, die aus der Welt der Straßenmusik in Popstadien gehievt wurden, haften bleibt, sind jedoch eher jene Erinnerungen, welche die Tage der Kinderarbeit streifen. Große Freude gab es damals über Regen. Er garantierte auftrittsfreie Tage, so Angelo, der mit zwölf mehr Konzerte hinter sich gebracht hatte "als die Stones bis heute", sagt er und erzählt von Toiletten. Da wäre ihm einmal unter die Tür ein Autogrammwunsch durchgeschoben worden. Ja, war alles zu viel.

Und das Schloss, in dem eine glückliche Familie samt Aufnahmestudio die Idylle finden sollte – es hätte eigentlich nicht mehr gekauft werden dürfen, erzählt eine Dame, die später leise das Wort "Burnout" einbringt.

Es wäre alles ein "verrückter Traum", mit dem nun Frieden zu schließen wäre. Wobei: TV-Total-Moderator Stefan Raab wird seine einstige Kelly-Verhöhnung nicht vergeben. Nicht von Angelo. Da staunt sogar Geissen und denkt vielleicht: An den Zeiten der Unschuld, die die Kellys einst repräsentierten, werden sie noch eine Weile zu knabbern haben. (Ljubiša Tošić, 14.12.2017)

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