Besonders die polnischen "Shopping Malls" sind bisher an Sonntagen gut besucht.

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Warschau – Sonntags einkaufen zu gehen, soll in Polen bald nicht mehr üblich sein: Nach dem Unterhaus (Sejm) stimmte am späten Freitagabend auch der Senat für die Abschaffung des Sonntags-Shoppings in drei Schritten, wie Kathpress am Samstag berichtete. Ab März dürfen Einkaufszentren und Supermärkte nur noch am ersten und letzten Sonntag im Monat aufmachen, ab Jänner 2019 nur noch am letzten.

Von 2020 an müssen sie sonntags geschlossen bleiben – mit Ausnahme der zwei Sonntage vor Weihnachten, des Sonntags vor Ostern und jeweils der letzten Sonntage im Jänner, April, Juni und September. Zudem dürfen Geschäfte am Heiligen Abend und am Karsamstag nur noch bis 14.00 Uhr öffnen. Der Senat, die zweite Parlamentskammer, beschloss das von ihm leicht veränderte Gesetz mit 62 zu 22 Stimmen.

Besonders die polnischen "Shopping Malls" sind bisher an Sonntagen gut besucht. Nur an gesetzlichen Feiertagen mussten sie bereits – ebenso wie Supermärkte – geschlossen bleiben. Die Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) kritisiert an dem Gesetz, dass es den Onlinehandel am Sonntag erlaube. Verkaufen dürfen unter anderem auch kleine Familienbetriebe, Souvenirläden, Tankstellen sowie Geschäfte an Bahnhöfen und Flughäfen. Die liberale Opposition kritisiert, dass das Ladenschlussgesetz Arbeitsplätze koste.

Der katholischen Kirche in Polen geht die beschlossene Einschränkung für Sonntagsverkäufe wiederum nicht weit genug. Sie sei ein "Schritt in die richtige Richtung", aber für die Kirche "nicht zufriedenstellend", sagte der Erzbischof von Kattowitz (Katowice), Wiktor Skworc, laut Kathpress. Jeder Sonntag solle ein arbeitsfreier Tag sein.

Die Solidarnosc hatte 2016 mit Unterstützung der Kirche mehr als eine halbe Million Unterschriften für ein sofortiges, fast völliges Verbot des Sonntagshandels gesammelt. Auf Grundlage der Volksinitiative der Gewerkschaft schrieb die rechtskonservative Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) das Ladenschlussgesetz, machte allerdings einige Abstriche bei der Sonntagsruhe. (APA, 16.12.2017)