Der Run auf Kryptowährungen ist ungebrochen – im Bild eine Frau an einem Bitcoin-Automaten in Hongkong.

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New York / Frankfurt – Der Höhenflug von Bitcoin ist nicht zu bremsen: Der Preis für die älteste und größte Kryptowährung kletterte am Wochenende an einigen Handelsplätzen zeitweise über 20.000 Dollar. Am Dienstag notierte er wieder etwas niedriger. Getrieben wird die Nachfrage von einem weiteren Future, mit dem die Währung leichter handelbar wird. Seit Sonntag können Investoren den Bitcoin-Terminkontrakt der renommierten Derivatebörse CME handeln. Damit ist innerhalb einer Woche ein zweites solches Finanzprodukt auf den Markt gekommen.

Börsianer erwarten, dass sich dadurch die bislang völlig unregulierte virtuelle Währung weiter etabliert. "Durch die Futures steigt die Nachfrage, und sie könnten der Katalysator sein, der Bitcoin nachhaltig über 20.000 Dollar schiebt", sagt der Fondsmanager Shane Chanel vom Vermögensverwalter ASR Wealth Advisors.

Der Handel an der CME begann mit vergleichsweise niedrigen Umsätzen. Die Nachfrage nach dem Future der CBOE war Börsianern zufolge vor einer Woche höher. "Ich denke, viele Investoren lehnen sich erst mal zurück und wollen sehen, wie es läuft, bevor sie sich in den Markt wagen", sagt Spencer Bogart vom Risikokapitalspezialisten Blockchain Capital. Der Jänner-Terminkontrakt stieg an der CME zeitweise auf 20.650 Dollar, fiel dann aber auf 19.290. Der Referenzkurs war mit 19.500 Dollar bestimmt worden.

Kryptowährung etabliert sich

Mit den Futures können Investoren auf steigende oder fallende Bitcoin-Kurse wetten. Es wird damit für viele Anleger leichter, sich in dem Markt zu engagieren. Bitcoins sind seit Jahresbeginn um fast 2.000 Prozent gestiegen, weil sich die Kryptowährung immer mehr etabliert. Die US-Technologiebörse Nasdaq und die Deutsche Börse denken ebenfalls über Bitcoin-Handelsprodukte nach. "Bitcoin fasst weiterhin Fuß, findet langsam, aber sicher Akzeptanz und reift womöglich zu einer anerkannten Anlageklasse", sagt Timo Emden, Deutschland-Chef des Brokers Daily FX. "Drohende Regulierungen von Cyberbörsen, um unter anderem Terrorfinanzierung und Geldwäsche zu unterbinden, gelten nicht mehr als Kaufhemmnis."

Zunehmend warnen Skeptiker allerdings vor einer Preisblase, die platzen und zu Turbulenzen führen könnte. So drängt etwa Frankreich auf eine stärkere Regulierung der Internetwährung im Rahmen der Konsultationen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer. "Ich werde der nächsten G20-Präsidentschaft, Argentinien, vorschlagen, dass wir alle zusammen beim G20-Gipfel im April eine Diskussion über Bitcoin führen", sagte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire dem Sender LCI. "Es gibt nachweislich ein Risiko durch Spekulation."

Stärkere Kontrolle gefordert

Auch der Präsident des deutschen Ifo-Instituts, Clemens Fuest, fordert eine stärkere Kontrolle von Bitcoin. "Ich rate zu Vorsorge. Die Staaten und die Notenbanken sollten sich dringend Gedanken über eine Regulierung machen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Man müsse unter anderem klären, ob auf Bitcoin-Transaktionen Steuern erhoben werden müssten und ob Risiken für die Finanzstabilität entstünden, wenn Institutionen in Bitcoin investierten.

Vertreter der EU-Staaten und Europaabgeordnete hatten sich am Freitag auf strengere Regeln für Plattformen geeinigt, auf denen Bitcoin und andere virtuelle Währungen gehandelt werden. Damit sollen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erschwert werden.

Warnung aus Dänemark

Unterdessen hat Dänemarks Zentralbankchef Lars Rohde Anleger mit ungewöhnlich scharfen Worten vor den Gefahren der Kryptowährung gewarnt. "Bleiben Sie weg. Das ist tödlich", sagte Rohde dem Radiosender DR in einem Interview, das am Montag online veröffentlicht wurde. Falls jemand sich entschließe, diese Warnung zu ignorieren, sei er ziemlich auf sich allein gestellt.

"Das ist kein regulierter Markt. Das liegt nicht in der Verantwortung der Behörden. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen", sagte Rohde. Investoren sollten sich nicht beschweren, falls etwas schiefgehe, sagte der Notenbank-Chef. "Ich sehe Bitcoin als Tulpenmanie, was eine außer Kontrolle geratene Blase ist", ergänzte er. In den Niederlanden waren im 17. Jahrhundert die Preise für Tulpenzwiebeln aufgrund von Spekulationen in astronomische Höhen geschossen. Als die Blase schließlich platzte, verloren viele Menschen ihr Vermögen. (Reuters, APA, 18.12.2017)