Auch abseits von Xiaomi, Meizu und OnePlus gibt es in China spannende Handyhersteller. Schon länger dabei und einigermaßen namhaft ist auch die Firma Elephone.

Wie auch andere Produzenten versucht diese gerne, aktuelle Trends aufzugreifen. Dementsprechend ist die Tendenz zu "randlosen" Designs auch dort nun in ein Produkt umgemünzt worden: Dem Elephone S8. Es soll für einen Preis von 200 bis 230 Euro eine budgetschönende Alternative für Freunde dieser Ästhetik bieten. Der STANDARD hat das Smartphone getestet.

Foto: derStandard.at/Pichler
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Das Mi Mix lässt grüßen

Die erste und offensichtliche Erkenntnis dieser Rezension: Entgegen des Namens handelt es sich beim Elephone S8 nicht um einen Klon von Samsungs Galaxy S8, das ja ebenfalls mit schmalen Rändern auffällt. Bedient hat man sich bei einem geografisch viel näher liegenden Mitbewerber, nämlich Xiaomi. Die Vorderseite des Handys, gekennzeichnet durch eine etwas dickere Lippe und drei schmalen Rändern, entspricht – abgesehen vom frontseitigen Fingerabdruckscanner – dem Konzept des Mi Mix.

Dabei übernimmt man auch eine Eigenheit: Die Frontkamera ist mangels Platz nicht über dem Sechs-Zoll-Display verbaut, sondern darunter. Wer ein Selfie machen möchte, muss also das Handy drehen, um komfortabel ein Foto aufnehmen zu können. Eine Gewöhnungssache, die wohl nicht jedem zusagen wird. Beim Design schummelt man zudem ein wenig. Während das Display beim Mi Mix tatsächlich bis zum Rand reicht und dort leicht abgerundete Ecken aufweist, endet jenes des Elephone S8 schon etwas weiter unterhalb und hinterlässt darüber einen schmalen, schwarzen Streifen.

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Kunststoff statt Glas

Bei der Materialwahl verzichtet man auf Vollverglasung, sondern setzt auf einen Metallrahmen und Polycarbonat-Rückseite. Die Verarbeitung ist gut, der glänzende Kunststoff ist jedoch ebenso anfällig für Schlieren und Fingerabdrücke, wie das Original mit seiner Verglasung. Der Eindruck ist – für ein Handy dieser Preisklasse – wertig.

Mit Maßen von 153 x 80 x 8 Millimeter ist das Smartphone trotz schmaler Ränder ein Fall für größere Hände. Die Ein/Aus-Taste am rechten Rand ist gut zu erreichen, die Lautstärkewippe liegt darüber und somit eindeutig zu hoch – Bedienung setzt Fingerakrobatik voraus. Mit 193 Gramm Gewicht zählt es zu den etwas schwereren Vertretern seiner Gattung. Die Polycarbnonat-Rückseite hat gegenüber der verglasten Variante aber immerhin zwei Vorteile: Erstens, das Telefon liegt deutlich griffiger in der Hand. Zweitens, bei einem Sturz muss man zwar mit Matzen und Kratzern im Kunststoff leben, erspart sich aber Glassplitter.

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Überraschend toller Bildschirm

Eine handfeste und positive Überraschung liefert der Bildschirm des Elephone S8. Er liegt nicht nur in puncto Auflösung mit 2.560 x 1.440 Pixel über dem gängigen Full-HD-Standard (1.920 x 1.080 Pixel) in diesem Kostensegment, sondern liefert auch noch satte Farbdarstellung, starke Betrachtungswinkel und angenehm hohe Helligkeit. Subjektiv handelt es sich um den aktuell wohl besten Bildschirm auf einem Mittelklasse-Smartphone, der auch bekannten Highend-Geräten Paroli bieten kann.

Darunter werkt ein Helio X25-Chip der taiwanischen Chipschmiede Mediatek. Es handelt sich um einen Zehn-Kern-Prozessor mit einem Verbund aus zwei Cortex-A72, sowie zwei Quartetts aus unterschiedlich getakteten Cortex-A53-Kernen. Der Maximaltakt der stärkeren Kerne liegt bei 2,5 GHz. Ihm stehen vier GB RAM zur Seite. Der interne Speicher fasst 64 GB.

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Bei der restlichen Ausstattung wird ein ordentlicher Standard erfüllt. Das Handy beherrscht LTE inklusive Band 20, ac-WLAN und Bluetooth 4.1. Auf NFC muss man allerdings verzichten. Verbaut ist ein Lithium-Polymer-Akku mit 4.000 mAh, der allerdings nicht schnellladefähig ist. Aufladung und Datenübertragung laufen über einen USB 2.0-Anschluss des Typ C.

Der Fingerabdruckscanner des S8 dient auch als Homebutton. Er arbeitet akkurat und flott. Ärgerlich: Eine 3,5mm-Audiobuchse gibt es nicht. Ein Adapter von USB-C auf Klinke liegt bei, Ohrhörer finden sich aber nicht in der Verpackung.

Schlankes Android 7, Updates fraglich

Vorinstalliert ist Android 7.1.1 "Nougat" in einer weitgehend unmodifizierten Variante. Bei den Aktualisierungen war Elephone bislang aber eher nachlässig. Die letzte wurde Mitte Oktober ausgeliefert und diente vorwiegend einer Verbesserung der Kamera-Performance. Das Sicherheitspatch-Level ist auf Stand September. Über kommende Aktualisierungen wollte der Hersteller auf Anfrage keine Angaben machen, ein Update auf das aktuelle Android 8 wird es "vielleicht" geben.

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Ersetzt wurde die Standard-Kamera-App, dazu gibt es auch einen App-Locker, der den Zugriff auf vom Nutzer festgelegte Apps mit einer Passwort- oder Mustersperre absichern kann. An Bord ist auch eine Support-App, diese besteh allerdings nur aus einem Übermittlungsformular für eine Nachricht an den Hersteller. Geboten wird auch eine Multi-Fenster-Funktion, mit der sich sogar Vollbild-Apps und Spiele "einfangen" lassen und bedienbar bleiben. Fun fact: Unter den mitgelieferten Hintergrundbildern gibt es auch eine Nachtaufnahme der Wiener Freyung.

Gute Performance, aber mit Rucklern

In puncto Alltagsperformance leistet das Smartphone passable Arbeit. Gelegentlich ruckelt die Systemoberfläche allerdings. Hier dürfte die Optimierung auch angesichts der auflösungsbedingt erhöhten Last noch ausbaufähig sein. Große Gaming-Ambitionen sollte man mit dem Handy nicht hegen, das für den Akkutest herangezogene "Pokémon Go" lief aber ordentlich.

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Ordentlich gearbeitet wurde bei der Implementation der Sensoren zur Lage- und Bewegungserfassung. Während bei manchen Smartphones die Monster in dem Spiel im Augmented-Reality-Modus unregelmäßig über die Kameraaufnahme schweben, bleiben sie hier recht zuverlässig dort sitzen, wo das Game sie platziert hat. Auch die Standortermittlung via GPS/GLONASS werkt hervorragend, was gerade bei Handys mit Mediatek-Chip immer noch nicht zuverlässig vorausgesetzt werden kann.

Lahme Kamera

Bei der Kamera protzt Elephone am Papier mit einem 21-Megapixel-Modul auf der Rückseite, das einen Dual-LED-Blitz an die Seite gestellt bekommen hat. Diese ist in der Lage, bei Tageslicht passable Bilder zu machen. Selbst unter schlechteren Lichtbedingungen sind die Ergebnisse herzeigbar – vorausgesetzt man hat eine ruhige Hand und ein unbewegtes Motiv. Denn schnell arbeitet der Kamerasensor wahrlich nicht – trotz des dafür gedachten Oktober-Patches.

Besonders ärgerlich ist das bei HDR-Aufnahmen. Der Korrekturmechanismus für übertriebene Kontrastierung von Hell und Dunkel bei stärkerem Lichteinfall funktioniert an sich gut, die Fotos sind aber im Ergebnis immer leicht verwackelt. Zudem muss HDR immer manuell aktiviert werden, eine Automatik gibt es nicht.

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Generell liefern Bilder recht akkurate Farben und passable Kontrastierung. Bei der Detailwiedergabe merkt man jedoch klar den Unterschied zu Spitzenhandys wie Samsungs Note 8 oder den aktuellen iPhones. Die Frontkamera (acht MP) ist hingegen weniger störrisch und produziert solide Aufnahmen. Die Kamera-App ist ausreichend übersichtlich gestaltet. Nach der Nutzung der Frontkamera stimmt aber teilweise die Orientierung einiger Icons (etwa HDR und Blitz) nicht.

Gutes Telefon

Absolut passabel schlägt sich das Elephone S8 bei der Gesprächsakustik. Das Gegenüber kommt recht laut und klar über den Ohrhörer an, man selbst wird ebenfalls deutlich verstanden. Das gilt auch bei der Verwendung des Lautsprechers, dessen Ausgabequalität allerdings eher mäßig ist. Auch Musik klingt darüber abgespielt nicht nach Futter für audiophile Ohren, sondern entspricht bei mittelmäßiger Lautstärke Smartphone-Durchschnittskost.

Der Akku liefert das, was man angesichts von Kapazität, Displaygröße, Auflösung und Chipsatz erwarten darf. Mit "Pokémon Go" lassen sich bis zu drei Stunden Dauerlaufzeit herausschlagen, das Game fordert allerdings Prozessor und Grafikeinheit heraus und nutzt die Mobilfunkverbindung und GPS ständig. Als Intensivnutzer abseits der Monsterjagd kommt man mit guten Reserven über den Tag. Wer sein Handy nur gelegentlich heranzieht, kann realistischerweise auf 1,5 Tage Laufzeit hoffen.

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Fazit

Das Elephone S8 ist für 200 bis 250 Euro ein ordentliches Smartphone, das allerdings ein sehr seltsames Verhältnis von Stärken und Schwächen hat. Das Display ist für diese Preisklasse grandios. Die Kamera kombiniert allerdings einen durchaus brauchbaren Bildsensor mit nervig langsamem Fokus und Reaktionszeit.

Die an sich starke Hardware kommt dank Optimierungsproblemen nicht so zur Geltung, wie sie könnte. Der Hersteller verzichtet aber auf große Anpassungen des Android-Systems, zeigt sich bislang aber nicht zuverlässig beim Updatesupport.. Die Gesprächsakustik ist hervorragend, der Lautsprecher im Vergleich aber eine Enttäuschung. Einzig der Akku bietet in etwa das, was sich im Vorfeld erwarten ließ.

Wer spezifischen Bedarf an einem großen Handy in moderner Optik und sehr gutem Bildschirm mit passabler Akkulaufzeit hat, kann das Elephone S8 durchaus in die engere Wahl nehmen. Wer eine zuverlässig schnelle Kamera als KO-Kriterium sieht, mit gelegentlichen "Rucklern" ein grobes Problem hat und verlässliche Android-Updates will, ist anderswo besser aufgehoben. (Georg Pichler, 27.12.2017)

Service-Hinweis: Das Elephone S8 kann bei Importhändlern wie Elephone Store und Gearbest erworben werden. Je nach Standort des Versandlagers können zum Kaufpreis auch Einfuhrsteuern und Zollgebühren hinzukommen.

Testfotos

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