Glasgow – Für große Säugetiere – Menschen inklusive – sind Vampirbisse an sich kein Problem, der Blutverlust lässt sich buchstäblich verschmerzen. Die eigentliche Gefahr liegt in Infektionen, die der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) durch seinen Biss überträgt, insbesondere Tollwut.

In Lateinamerika gilt die blutsaugende Fledermaus als größtes Tollwut-Reservoir überhaupt. Offizielle Statistiken über Infektionszahlen im Viehbestand sind aber oft unzureichend, das Monitoring lückenhaft. Forscher der Universität Glasgow haben nun versucht, die Dunkelziffer zu errechnen und berichten darüber im Journal "PLOS Neglected Tropical Diseases".

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Als Modellregion wählte das Team um Julio Benavides eine Region in den südlichen Anden Perus aus. Sie zogen Behördenberichte heran, ließen aber auch Bauern aus insgesamt 40 Gemeinden der Region Fragebögen über Tollwutfälle unter Rindern ausfüllen. Das hochgerechnete Ergebnis: Kaum ein Viertel der Infektionsfälle wurde behördlich erfasst, in der gesamten Region dürften in nur einem Untersuchungsjahr etwa 500 bis 700 Rinder von Vampiren mit Tollwut infiziert worden sein.

Für die Wirtschaft der Region ist dies von nicht unerheblicher Bedeutung. Dort leben vor allem arme Kleinbauern, die für ihr Überleben auf ihren Viehbestand angewiesen sind. Die Kosten für Tollwutimpfungen können oder wollen sie sich oft nicht leisten. Die Forscher fordern daher auf Basis ihres Zahlenmaterials, dass mit neuen Kampagnen Bewusstsein für das bislang unterschätzte Ausmaß der Tollwutgefahr und für die Bedeutung von Impfungen geschaffen wird – denn letztlich sind die Kosten durch den Verlust von Vieh noch größer. (red, 25. 12. 2017)