2016 wurden in Großbritannien mehrere Personen unschuldig verhaftet, da ihnen IP-Adresse in Zusammenhang mit Kinderpornografie falsch zugeordnet wurden.

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In Großbritannien wurden 2016 mehreren Personen fälschlicher Weise in Zusammenhang mit Kinderpornografie verhaftet. Grund dafür war, dass ihnen IP-Adressen falsch zugeordnet wurden. Das geht aus dem nun veröffentlichten Jahresbericht des Interception of Communications Commissioner’s Office (PDF) hervor.

Tippfehler und dynamische IP-Adressen

Stanley Burnton, Vorsitzender der Behörde, warnt in dem Bericht, dass es zu zunehmenden Fehlern komme, die nicht mehr im Rahmen des akzeptablen liegen würden. "Diese [Fehler] haben dazu geführt, dass Menschen für sehr ernste Verbrechen verhaftet wurden." Insgesamt stieß Burnton auf 29 Fälle, die als "schwerwiegende Fehler" seitens der Behörden eingestuft werden. Die meisten davon sind auf Fehler bei den IP-Adressen zurückzuführen. Diese werden herangezogen, um Personen in Zusammenhang mit Online-Kinderpornos zu überführen. Burnton vermerkt zwei Hauptfehlerquellen: einerseits passieren den Polizisten schlicht Tippfehler, andererseits ist die eindeutige Zuordnung von Nutzern im Fall von dynamischen IP-Adressen oft nicht möglich.

Burnton bezeichnet die Auswirkungen der falschen Verhaftungen für die Opfer als entsetzlich. In einem Fall wurden die Kinder eines Paares vorrübergehend in Obhut genommen, während die Eltern befragt wurden. Die Betroffenen müssten auch ihre Arbeitgeber informieren. Einigen von ihnen dürften wohl auch nach Aufklärung anhaften bleiben, etwas mit Kinderpornografie zu tun zu haben.

Prominenter Fall

Besonders prominent war der Fall von Nigel Lang, der Anfang des Jahres an die Öffentlichkeit ging, nachdem er bereits 2011 fälschlicher Weise verhaftet worden war. Aufgrund eines Fehlers hatte die Polizei seine Wohnung gestürmt und ihn wegen Kinderpornografie verhaftet – Lang war auch verboten worden seinen kleinen Sohn zu sehen. Erst 2014 kam heraus, dass ein Tippfehler zu seiner Verhaftung geführt hatte. Lang erhielt vergangenes Jahr 60.000 britische Pfund Entschädigung. In seinem aktuellen Bericht schreibt Burnton, dass er Lang bewundere, mit seiner Geschichte an die Medien gegangen zu sein. (red, 21.12.2017)