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Brief der IKG im Wortlaut.

IKG

Eine scharfe Reaktion hat der Gastkommentar von ÖVP-Mandatar Martin Engelberg in der israelischen Tageszeitung "Ha’aretz" ausgelöst. Engelberg rechtfertigte darin die Koalition mit der FPÖ: Auch SPÖ und ÖVP, so Engelberg sinngemäß, hätten früher um ehemalige Nationalsozialisten geworben.

"Als erster aktiver jüdischer österreichischer Abgeordneter der Nachkriegszeit unterstütze ich Sebastian Kurz' Koalition mit der freiheitlichen Partei, die ungeachtet ihrer nationalsozialistischen Wurzeln längst zu einer einwanderungsfeindlichen, populistischen Bewegung geworden ist", schrieb Engelberg in dem englischsprachigen Kommentar.

Historische Verantwortung

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, wollte das nicht auf sich sitzen lassen und antwortete ebenfalls mit einem englischsprachigen Gastkommentar in der "Ha’aretz".

"Wenn jüdische Nationalratsabgeordnete, wie zum Beispiel David Lasar (FP) oder Martin Engelberg (VP) die FPÖ zu kaschern versuchen, dann ist der Versuch ihr gutes Recht. Aber sie sprechen für niemanden als sich selbst. Die jüdische Gemeinde und der Staat Israel nehmen die moralische und historische Verantwortung wahr und fallen auf die Maskerade nicht herein", schreibt Deutsch in dem am Donnerstag veröffentlichten Text.

Und weiter: "Der Grund für den Boykott von FPÖ-Ministern ist nicht die Nazi-Vergangenheit des deutschnationalen Lagers, sie hat sich davon nie klar distanziert. Das Problem ist, wer die FPÖ heute ist und wofür sie wirklich steht. Symbolische Israel-Besuche können darüber nicht hinwegtäuschen.

(…)

Die Neonazis sind nicht ausgestorben, viele tragen eine Maske. Selbstverständlich sind nicht alle FPÖ-Politiker Neonazis. Die Tatsache, dass gleich 20 der 54 FPÖ-Abgeordneten im Nationalrat Mitglieder von Burschenschaften sind, spricht für sich. Während wir am 8. Mai die Kapitulation von Nazi-Deutschland als Befreiung Europas feiern, betrauern deutschnationale Burschenschafter das Ende des deutschen Reiches. Die Burschenschafter sind der ideologische Kern der FPÖ, in den Burschenschaften gelten Ariernachweise und die "Waidhofener Beschlüsse" mit denen Juden die Ehre abgesprochen wurde werden von den Verbindungen nie zurückgenommen.. Ja, die Parteiführung distanziert sich in Sonntagsreden von Antisemitismus. Gegen den Antisemitismus in den eigenen Reihen geht sie aber nicht vor. Im Gegenteil: Die FPÖ unterstützt die rechtsextreme Zeitung "Aula", in der zuletzt Überlebende des KZ Mauthausen als "Landplage" und "kriminell" diffamiert wurden." (red, 21.12.2017)