Die Spinne, die aus dem Meer gekrabbelt kam

Kleine Spinne bewohnt die Gezeitenzone: Bei Flut harrt sie in selbstgebauten Luftkammern unter Wasser aus

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Weibliches Exemplar von Desis bobmarleyi.
Foto: R. Raven

Brisbane – Arachnophobiker werden es nicht gerne hören, aber Spinnen trifft man an den unerwartetsten Stellen an. So war es zum Beispiel am 11. Jänner 2009, als sich das Meer an der Küste des australischen Bundesstaats Queensland zurückzog und einen Haufen Spinnen enthüllte, die unter Wasser gelebt hatten und nun bei Ebbe auf Jagd gingen.

Männliches Exemplar von Desis bobmarleyi.
Foto: R. Raven

Im Fachjournal "Evolutionary Systematics" wurden diese Spinnen, die man inzwischen als neuentdeckte Art identifiziert hat, nun vorgestellt. Sie sind rötlich-braun bis orange gefärbt und haben behaarte Beine. Die Weibchen werden etwa neun Millimeter groß, die Männchen nur sechs. Es handelt sich um Echte Webspinnen; die Gattung, zu der sie gehören (Desis) findet man an den Küsten des Pazifik und des Indischen Ozeans.

Diese kleinen Spinnen sind Bewohner der Gezeitenzone; solange die Flut anhält, müssen sie also unter Wasser ausharren. Dafür bauen sie sich mit ihrer Seide Luftkammern, die an Korallen, Felsen oder Kelp befestigt werden. Bei Ebbe krabbeln sie aus ihren Behausungen hervor und machen Jagd auf wirbellose Tiere, die das Wasser am Strand zurückgelassen hat.

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Benannt wurde die neuentdeckte Spezies nach dem Reggae-Musiker Bob Marley, weil sich das Team um Barbara Baehr vom Queensland Museum in Brisbane von Marleys Song "High Tide or Low Tide" inspiriert fühlte. Desis bobmarleyi bewohnt offenbar das nahegelegene Great Barrier Reef – wie weit das Verbreitungsgebiet der Spinne reicht, ist aber noch unbekannt. (jdo, 28. 12. 2017)

Achtbeiniger Strandspaziergang: Eine Desis bobmarleyi huscht über eine Steinkoralle.
Foto: Paul Hoye

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