Älteste Spuren von Brustkrebs in ägyptischer Mumie entdeckt

Computertomografische Aufnahmen enthüllten Krebserkrankung einer Frau, die vor mehr als 4.000 Jahren der ägyptischen Oberschicht angehörte

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Granada – Wie lange der Krebs die Menschheit schon peinigt, lässt sich aus diversen archäologischen Funden allenfalls erahnen. So entdeckten Forscher vor einigen Jahren etwa ein 3.200 Jahre altes Skelett mit zahlreichen Knochenmetastasen, Hinweise auf eine Krebserkrankung bei einem 120.000 Jahre alten Neandertaler und zuletzt sogar einen 1,7 Millionen Jahre alten Fußknochen eines Vormenschen, der Spuren eines bösartigen Tumors aufweist.

Dass Krebserkrankungen kein Phänomen der Moderne sind, zeigt nun einmal mehr ein Fund von Forschern um Miguel Cecilio Botella López von der Universität Granada: Eine mehr als 4.000 Jahre alte Mumie aus Ägypten entpuppte sich als frühester bekannter Brustkrebsfall in der Geschichte der Menschheit. Bei einer weiteren, etwa 3.800 Jahre alten Mumie, wurden zudem Hinweise auf das Multiple Myelom, eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems, gefunden.

CT-Aufnahme der über 4.000 Jahre alten Mumie aus Qubbet el-Hawa.
Foto: Patricia Mora

Tödliche Erkrankung

Beide Mumien stammen aus der Nekropole Qubbet el-Hawa im ägyptischen Assuan und dürften der Oberschicht angehört haben. Darauf deuten Grabbeigaben und die Art der Bestattung hin. Sichtbar wurden die Erkrankungen der beiden Toten mithilfe von computertomografischen Aufnahmen. Bei der älteren Mumie, die von einer Frau stammt, wurden Spuren von Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium sichtbar. Die Erkrankung dürfte auch die Todesursache gewesen sein.

Die andere, etwas jüngere Mumie weist hingegen deutliche Anzeichen eines Multiplen Myeloms auf. Bei dieser Erkrankung des Knochenmarks, die von den Plasmazellen im Blut ausgeht, wird die Blutbildung gehemmt. Ob die Erkrankung auch zum Tod des Mannes führte, ist unklar.

Kindermumien im CT

Mittels Computertomografie untersuchten die Forscher zudem zwei Mumien von Kindern, die ebenfalls in Qubbet el-Hawa gefunden worden waren. Die Todesursachen des Mädchens im Teenageralter und des etwa neunjährigen Buben ließen sich zwar nicht eruieren, dafür konnte aber ihr Aussehen einigermaßen rekonstruiert werden.

Mumie eines Kindes mit Fayence-Verzierungen.
Foto: Patricia Mora

"Sie waren immer noch in Masken aus bunten Fayence-Perlen gehüllt", sagte López. Ägyptische Fayence, ein Material aus Quarzsand, Tonerden, Metalloxiden und Kalk wurde zu Dekorationszwecken verwendet – nicht nur im Alten Ägypten, sondern auch in Europa. "Die Körperstrukturen sind hervorragend erhalten, wir konnten noch sehr deutlich erkennen, wie ihre Gesichter aussahen", so López. (dare, 1.1.2018)

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