Merkel ruft für 2018 zu Zusammenhalt in der Bevölkerung auf

Deutsche Kanzlerin über Regierungsbildung: "Die Welt wartet nicht auf uns"

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Angela Merkel bei der Neujahrsansprache.

Foto: AP/Hannibal Hanschke

Berlin – Angesichts eines erstarkten politischen Randes in Deutschland hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu Zusammenhalt in der Bevölkerung aufgerufen. Sie wünsche sich, "dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält", sagte Merkel in ihrer Neujahrsansprache. Sie wisse, dass sich derzeit viele Bürger Sorgen über den Zusammenhalt in Deutschland machten, fuhr sie fort.

"Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht." Der Erfolg und die Zuversicht auf der einen, aber auch die Ängste und die Zweifel auf der anderen Seite – "beides sind Realitäten in unserem Land", sagte Merkel. Die Politik habe den Auftrag erhalten, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen und dabei die Bedürfnisse der Bürger im Auge zu haben. "Diesem Auftrag fühle ich mich verpflichtet – auch und gerade bei der Arbeit daran, für Deutschland im neuen Jahr zügig eine stabile Regierung zu bilden", sagte die amtierende Kanzlerin (CDU).

Regierungsbildung dauert an

Bei der Bundestagswahl im September war die rechtspopulistische AfD mit über zwölf Prozent ins Parlament eingezogen. Die Regierungsbildung tritt seit Monaten auf der Stelle. Nachdem die Gespräche zur Bildung einer "Jamaika"-Koalition gescheitert waren, wollen Union und SPD im Jänner mit Sondierungen über die mögliche Bildung einer Großen Koalition beginnen.

"Die Welt wartet nicht auf uns", sagte Merkel in ihrer Neujahrsansprache. Jetzt müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass es Deutschland auch in 15 Jahren gut gehe. Dabei sei der Leitgedanke der sozialen Marktwirtschaft ein guter Kompass, sagte die Kanzlerin. Wichtig sei nicht nur, Jobs zu sichern und zu schaffen und die Gesellschaft auf den digitalen Fortschritt vorzubereiten, sondern auch, Familien in den Mittelpunkt zu stellen und eine würdevolle Pflege zu ermöglichen.

In der Gesellschaft müsse wieder "deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund" gestellt werden, mahnte Merkel ein. Das bedeute vor allem Achtung vor dem Anderen.

Werte vertreten

Um Zusammenhalt gehe es auch in Europa. Die Europäer müssten ihre "Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten", sagte Merkel weiter. "Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam dafür arbeiten, dass das gelingt, und so dazu beitragen, Europa für die Zukunft fit zu machen."

Die seit Monaten nur noch geschäftsführende Kanzlerin hatte sich über Weihnachten ein paar Tage zurückgezogen. Kurz vor dem Jahreswechsel kehrte sie nach Berlin zurück, um ihre traditionelle Ansprache aufzuzeichnen. Es ist bereits Merkels 13. Rede zum Jahresende – aber ihre erste ohne richtige Regierung. Ihre letzte Neujahrsansprache stand unter dem Eindruck der Terroranschläge von Würzburg, Ansbach und Berlin im Jahr 2016.

Seit 1970 spricht der Bundeskanzler zum Neujahrstag, der Bundespräsident zu Weihnachten. Von 1949 bis 1969 war es umgekehrt. (APA, 31.12.2017)

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