Ich bin 28 und seit letztem Herbst Consultant bei einer Unternehmensberatung im Finanzbereich. Dorthin gekommen bin ich durch ein Praktikum, das ich gegen Ende meines Masterstudiums an der Wirtschaftsuni gemacht habe. Da habe ich recht gute Bewertungen bekommen, danach noch einmal ein Interview gehabt, das gut gelaufen ist, und man hat mir ein Angebot gemacht, das ich auch angenommen habe.

Weitere Bewerbungen habe ich nicht verschickt – was viele meiner Studienkollegen anders gemacht haben. Ich dachte mir aber: Das Praktikum war cool, und das Unternehmen ist auch cool, dann fange ich da doch an.

Netto rund 2500 Euro

Ein sehr großer Vorteil, wenn man in einer Beratung arbeitet: Man verdient gut. Das Einstiegsgehalt ist ein Fixgehalt von rund 55.000 Euro brutto pro Jahr. Dazu kommen 5000 Euro variable Vergütung, ein Bonus, der von der Unternehmensperformance und der eigenen Performance abhängig ist.

Am Anfang, bei jüngeren Kollegen, wird dieser Bonus normalerweise zur Gänze ausbezahlt. Später, wenn man eine höhere Position hat und auch Akquisition macht, also Geschäfte an Land ziehen muss, dann ist dieser Bonus stärker davon abhängig, wie erfolgreich man dabei ist. Sprich: Der variable Anteil wird höher, je höher man aufsteigt.

Schicke Schuhe, schicker Anzug: So sieht das Klischee eines typischen Unternehmensberaters aus. Ein Berufseinsteiger hat mit dem STANDARD über sein Gehalt gesprochen.
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Netto bleiben mir im Monat rund 2500 Euro. Damit bin ich sehr zufrieden. Es ist schon fein, wenn man sich über Geld nicht so viele Gedanken machen muss. Gehaltssteigerungen – ebenso wie Beförderungen – bekommt man, wenn man bei unserem internen Bewertungsprozess gut abschneidet. Für jede Position gibt es ein Profil von Anforderungen, und es wird geprüft, wie gut man die erfüllt. Ich rechne diesmal mit einer Steigerung von acht bis zehn Prozent.

Von den Leuten, die mit mir studiert haben, sind ebenfalls viele in der Beratung. Auch die restlichen haben gute Positionen, in denen sie gut verdienen – manche wahrscheinlich noch deutlich mehr, beispielsweise wenn sie ins Investment-Banking gegangen sind.

Mein Vertrag ist ein All-in-Vertrag, das heißt die Überstunden sind mit meinem Gehalt bereits abgegolten. Ich arbeite im Schnitt 55 Stunden in der Woche. Das ist für die Beratungsbranche eher wenig, eher entspannt. Das ist gut, denn ausreichend Freizeit zu haben ist mir wichtig.

Meine Ausgaben

Meine Ausgaben: 600 Euro Miete für die Wohnung plus noch einmal 100 Euro für Betriebskosten und Internet. Ich habe ein Moped, für das ich um die 20 Euro Versicherung im Monat zahle. Ich nutze für circa zehn Euro pro Woche das Carsharing-Angebot Drive-Now, was 50 Euro pro Monat ergibt.

Ein Netflix- und ein Spotify-Abo für jeweils zehn Euro habe ich auch. Für Essen brauche ich relativ viel Geld. Im Gegensatz zu anderen Beratern muss ich nicht so oft verreisen, bekomme also keine Spesen, gehe mittags aber trotzdem in Restaurants essen. Zum Kochen bin ich meistens leider zu faul. Im Schnitt komme ich wahrscheinlich auf 20 Euro pro Tag für Verpflegung – wenn man das hochrechnet, sind es immerhin 600 Euro im Monat. Ziemlich viel.

Ausgaben und Einnahmen im Überblick.
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Weggehen am Wochenende ist ebenfalls eine große Ausgabe: Das macht etwa 200 Euro pro Monat aus. Sport kostet mich etwa 100 Euro. Obwohl mir jeden Monat Geld übrigbleibt, spare ich derzeit nichts. Ich bin mit 10.000 Euro Schulden ins Arbeitsleben gestartet, die habe ich natürlich erst einmal abbezahlen müssen. Vielleicht lege ich mir aber künftig etwas auf die Seite.

Zehn bis zwölf Stunden

Obwohl mein Job viele gute Seiten hat, allen voran das Gehalt, sehe ich mich langfristig nicht in der Beraterbranche. Ich möchte nicht zehn bis zwölf Stunden pro Tag herumsitzen und irgendwelche Dinge anrecherchieren und strukturieren – ich bin eher der Machertyp.

Vor kurzem habe ich ein Inserat von einem Institut gesehen, das Seminare für Führungspersonen anbietet und einen Projektmanager sucht. So eine Aufgabe fände ich spannend. Sales würde ich auch gern ausprobieren. Bevor ich einen neuen Job beginne, würde ich jedenfalls erst ein paar Monate reisen. (Gesprächsprotokoll: Lisa Breit, 13.1.2018)