Foto: Getty Images/iStockphoto/ Brasil2
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Pro
von David Krutzler

Das ist die Geschichte von Oleksander und Natalia aus Kiew, die sich eine knapp 40 Stunden lange Anreise mit dem Bus angetan haben, um die Schönheiten des Tiroler Winters zu erleben. An einem Stopp im Ötztal führte nichts vorbei. Und so fanden sich die Ukrainer, beide Mitte 20, auf dem Gaislachkogel ob Sölden auf über 3000 Metern wieder: Es schneite heftig, es stürmte noch viel heftiger. Wo der Himmel aufhörte und der Boden begann, war nicht mehr auszumachen.

Oleksander und Natalia fuhren dennoch mit ihren Snowboards los. "Was hilft's?", dachten sie sich. Sie wollten den Tiroler Winter erleben. Eine halbe Stunde später wurden sie, zusammengekauert im Schnee hockend, zufällig von einem Wintersportler gefunden.

"Wir sehen nichts mehr", schrien sie. "Ihr müsst da weg, und ihr seht mich", lautete die Antwort. Eine Stunde dauerte die vom Wintersportler geführte Abfahrt im Schritttempo bis zur Mittelstation der Gaislachkogelbahn. Erschöpft und dankbar fielen die Ukrainer dem Wintersportler um den Hals und stiegen dann ein. "So eine Talfahrt mit dem Lift ist auch wunderschön", sagten sie.

Kontra
von Michael Möseneder

Mit dem Sessellift ins Tal fahren? Geht für einen passionierten Freizeitsportler natürlich gar nicht. Gut, das Stemmen von Biergläsern und der Sprint ins Raucherkammerl sind in dem Sinn jetzt noch keine olympisch anerkannten Disziplinen, aber mitunter durchaus anstrengend. Egal ob auf dem Berg oder im Tal. Aber wenn man schon unbedingt an die frische Luft will, sollte man sich nicht nur dem Müßiggang hingeben.

Der Mensch von Welt würde ebendiese frische Luft zwar ohnehin am Meer genießen und nicht auf irgendeinem kargen steinernen Ausblicks- und Verkehrshindernis.

Ist man aus Verwirrung oder Höflichkeit dennoch auf einem Gipfel gelandet, sollte man aber immer – sofern unverletzt und nüchtern – den Ehrgeiz haben, auch selbst wieder hinunterzukommen. Dankenswerterweise hilft einem dabei nämlich die Gravitation, egal ob im Sommer oder im Winter.

Einem Seilbahnbetreiber da den Talfahrtsobolus zu leisten ist in etwa so sinnvoll, wie im Salzwasser jemanden zu bezahlen, damit er einen über der Wasseroberfläche hält. (RONDO, 6.2.2018)