Thomas Shannon, die Nummer drei im Außenamt, hat seinen Rückzug aus dem diplomatischen Dienst bekanntgegeben.

Foto: AP/Ariana Cubillos

Washington/Wien – Sie gelten als die intellektuellen Speerspitzen der amerikanischen Diplomatie. Ihre Aufgaben umfassen den Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen, das Engagement für Menschenrechte und den Auslandseinsatz für das US-Wirtschaftswachstum. Nicht allerdings in diesem Jahr: Insgesamt sieben der neun Topposten im US-Außenamt sind durch mehr oder weniger freiwillige Rücktritte vakant geworden, seitdem Donald Trump vor einem Jahr die US-Präsidentschaft übernommen hat.

Am Donnerstagabend folgte der jüngste Schlag für Außenminister Rex Tillerson. Thomas Shannon, die Nummer drei im Außenamt, hat seinen Rückzug aus dem diplomatischen Dienst bekannt gegeben. Der Karrierediplomat, der das Außenamt im vergangenen Jänner für zwei Wochen interimistisch geführt hatte, nannte persönliche Gründe, den Tod seiner Mutter im vergangenen Herbst und seinen sechzigsten Geburtstag vor einigen Wochen. Sein Abschied wirft dennoch einmal mehr ein grelles Licht auf die Vorgänge im amerikanischen Außenamt.

Dramatische Ausdünnung

Denn schon im Herbst hatte ein offener Brief die amerikanische Diplomatengemeinde aufgerüttelt, in dem erstmals konkrete Zahlen zum Exodus im Außenamt genannt wurden: 60 Prozent aller Diplomatinnen und Diplomaten im höchsten Dienstrang hatten damals schon ihren Dienst quittiert, 40 Prozent der Gesandten (dem zweithöchsten Dienstgrad) und 15 Prozent der darunter angesiedelten Mitarbeiter. Seither sind es noch mehr geworden, viele von ihnen waren jahrzehntelang im Dienst des Staates, und nennen nun moralische Bedenken, die Politik der Regierung umzusetzen. Andere nennen Frust darüber als Grund, dass das Außenministerium zugunsten des Pentagons ausgedünnt werde.

Das, heißt es immer wieder, sei auch der wahre Grund, wieso die Posten nicht längst nachbesetzt sind: Während Ressortchef Tillerson in der Gunst des Präsidenten immer weiter falle und auch seine mageren Ansprüche nicht umzusetzen vermöge, gebe es im Weißen Haus viele, die an einer Rückkehr des Außenministeriums zu altem Glanz keineswegs interessiert seien. Dabei geht es einerseits um Bedenken über die ideologische Verlässlichkeit der Mitarbeiter – und andererseits um die Balance mit dem Pentagon.

Dass dieses die Oberhand im Streit um Einfluss und Budget bekommen könnte, hatten viele Diplomaten schon befürchtet, als Trump sein Kabinett vorstellte. Seither ist zu Verteidigungsminister General James Mattis und Sicherheitsberater General H. R. McMaster noch General John Kelly gekommen, dessen Einfluss mit dem Aufstieg vom Heimatschutzminister zum Stabschef wuchs.

Der Schaden jedenfalls droht bleibend zu sein. Denn auch bei gutem Willen – Mitarbeiter mit 35-jähriger Erfahrung sind nicht von heute auf morgen zu ersetzen. (Manuel Escher, 2.2.2018)