Anlässlich seines hundertsten Geburtstags ziert der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt die diesjährige Zwei-Euro-Sondermünze der Bundesrepublik. Erstmals wird damit ein Politiker auf einer deutschen Euro-Münze abgebildet.

Helmut Schmidt erhält eine Gedenkmünze.
Foto: Reuters/Mang

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Schmidt bei der Präsentation, dieser habe "unser Land mitgeprägt". Doch schon vor der ersten Ausgabe der Münze am 30. Jänner entbrannte in den Medien eine Diskussion über das Motiv, denn ein kleines Detail fehlt.

Schmidt ist auf der Münze mit einer für ihn typischen Handhaltung abgebildet: Zeige- und Mittelfinger parallel vorgestreckt, Ringfinger und kleiner Finger leicht nach unten abgewinkelt – so kannte man den Altkanzler von zahlreichen Fotos. Immer auf den Bildern mit dabei: eine qualmende Zigarette. Doch auf dem Münzmotiv fehlt diese. Wurde sie wegretuschiert, handelt es sich um eine erzieherische Anti-Raucher-Maßnahme? Hätte man andernfalls gar einen Warnhinweis anbringen müssen? "Diese Münze kann Ihre Gesundheit gefährden, wenn Sie mit ihr Zigaretten kaufen." Die "Süddeutsche Zeitung" konstatiert im SZ-Magazin, die Darstellung sei Ausdruck der Deutschen Krankheit, "die man sich wahrscheinlich als eine kollektive anankastische Persönlichkeitsstörung denken muss".

"Leidenschaft braucht man nicht. Willen braucht man. Und Zigaretten", hatte Schmidt erklärt, was für seine Arbeit nötig sei.

Philipp Butschek

Wurde der überzeugte Raucher also ausgerechnet durch eine als Ehrung gedachte Gedenkmünze zum Opfer der Political Correctness?

Das Finanzministerium gab dazu bekannt, dass die Münze Schmidt gar nicht als Raucher zeige, sondern "im Dialog mit seinem Gegenüber".

Der Graveur Bodo Broschat erklärte zu seinem Werk, er habe sich intensiv mit der Frage befasst, ob die obligatorische Zigarette auf die Abbildung gehöre oder nicht. "Man soll sie sich dazudenken können, sie soll aber nicht zu sehen sein", war seine Conclusio.

Die auf der Münze gezeigte rechte Hand des Altbundeskanzlers ist jedenfalls atypisch. Ein Blick in das Fotoarchiv und eine umfassende Bildersuche im Internet zeigen: Helmut Schmidt war Linksraucher. Zumindest hält er bei fast ausnahmslos allen Bildern, die ihn beim Rauchen zeigen, die Zigarette in der linken Hand. Ausnahmen bestätigen die Regel, dazu zählt das Coverfoto seines Buches "Religion in der Verantwortung", wobei es sich allerdings um eine Fotomontage handeln könnte, und ein Porträtgemälde, das im Kanzleramt hängt.

Machte das meist mit links: Helmut Schmidt.
Foto: APA/dpa/Hirschberger
Auf dem Porträt im Bundeskanzleramt, das bei der Unterzeichnung des Kondolenzbuches nach seinem Tod zu sehen war, hält Schmidt die Zigarette jedoch in der rechten Hand.
Foto: APA/AFP/Andersen

(Michael Vosatka, 2.2.2018)