Das Auto des mutmaßlichen Schützen in Macerata.

Foto: Reuters Handout

Rom – Die Schüsse auf sechs Afrikaner im italienischen Macerata am Samstag haben nach Angaben des Anwalts des Schützen nicht nur Empörung ausgelöst. "Die Leute in Macerata sprechen mich auf der Straße an und sagen, ich soll meinem Mandanten ihre Solidarität ausdrücken", sagte der Jurist Giancarlo Giulianelli laut Medienberichten vom Donnerstag.

Giulianelli erklärte weiters, dass der 28-jährige Schütze sich nicht wirklich über die Bedeutung seiner Tat im Klaren sei. Sein Mandant sei kein Krimineller, sondern ein junger Mann, der dringend Hilfe benötige, betonte der Anwalt, der nach eigenen Angaben die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens in Auftrag gegeben hat.

Politik habe keine Antwort

Der Jurist sprach auch von schweren Mängeln in Italiens politischer Klasse im Umgang mit der Einwanderungsproblematik. "Die Tat meines Mandanten ist verwerflich, doch sie ist die Spitze eines Eisbergs. Die Politik hat keine Antwort auf das Migrationsproblem gefunden. Die Rechte instrumentalisiert die Problematik, die Linke hat sie unterschätzt oder gänzlich ignoriert", meinte Giulianelli.

Die rechtsextreme Forza Nuova (FN) startete unterdessen eine Spendenaktion, um die Anwaltskosten des Schützen zu finanzieren. Am Donnerstagabend will die Partei dann mit einem Fackelzug durch Macerata gegen illegale Migration zu demonstrieren. FN-Chef Roberto Fiore erklärte, die Tat des Schützen sei zwar niederträchtig, die Stadt leide jedoch zutiefst unter den Folgen der ungeregelten Einwanderung. Die Bürger seien wegen der starken Präsenz afrikanischer Drogendealer äußerst besorgt.

Zwei Verletzte noch im Spital

Am Samstag ist in Macerata eine Anti-Rassismus-Demonstration geplant. Der Bürgermeister der 42.000-Einwohner-Stadt, Romano Carancini, appellierte hingegen an die Parteien, auf Demonstrationen zu verzichten. Die "Gefahr gewaltsamer Ausschreitungen" sei "konkret". Diese Ansicht teilt auch der Chef des Linksbündnisses "Liberi e uguali" (LeU), Pietro Grasso, der vor einer "Gewalteskalation" warnte.

Justizminister Andrea Orlando besuchte am Mittwoch die beiden jungen Migranten, die nach dem Schussattentat noch im Spital von Macerata liegen. Dabei handelt es sich um eine junge Frau mit gebrochener Schulter und einen jungen Mann mit Brustverletzungen. Die anderen vier Verletzten wurden entlassen oder in andere Spitäler eingeliefert. (APA, red, 8.2.2018)