Aus der Eisschnelllaufarena wird doch kein Fischkühlhaus.

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Pyeongchang – Die Bilder von verdrecktem Regenwasser im Olympiapool von Rio de Janeiro gingen um die Welt, in Athen wuchert das Unkraut auf den Tribünen von 2004. Und in Pyeongchang? Könnte es schon in wenigen Monaten ähnlich aussehen. Die südkoreanischen Organisatoren haben rund 800 Millionen Euro in die Sportstätten der Spiele gepumpt – was nach Olympia damit passieren soll, ist noch komplett unklar.

"Sie sind blind vorgegangen. Und jetzt haben sie keine Ahnung, wie sie die Sportstätten nach den Spielen nutzen sollen", sagt Tae-Ho Yu, Professor an der Korea University. "Weiße Elefanten" drohen, reihenweise leerstehende Stadien und Arenen. Dabei sollte nach Ansinnen des IOC genau das nicht mehr passieren.

"Das Thema ist mittlerweile ein wichtiger Teil des neuen Bewerbungsprozesses. Die Weiternutzung von Wettkampfstätten steht in den Gesprächen mit möglichen Bewerbern von Beginn an auf der Agenda", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Die Spiele in Korea wurden 2011 vergeben, da war Bach noch nicht im Amt.

Wettkampfstätten

In den vergangenen sechseinhalb Jahren stampften die Arbeiter in der Provinz Gangwon und den Orten Pyeongchang und Gangneung sechs neue Wettkampfstätten aus dem Boden, sechs weitere wurden renoviert. Und das in einer der ärmsten und am wenigsten besiedelten Regionen Südkoreas.

"Wer auch immer die Sportstätten später betreiben sollte, er wird es schwer haben, sie profitabel zu machen", sagte Chul-Sin Park von der Provinz Gangwon der Nachrichtenagentur AFP: "Wintersport ist in unserem Land nicht so populär." Dann müssen also andere Ideen her. Da wäre etwa das Gangneung Oval für Eisschnelllauf, 100 Millionen Euro Baukosten. Eine angedachte, aber abgelehnte Möglichkeit der Nachnutzung: ein riesiges Kühlhaus für den Fischfang.

Modifiziert

Oder die Skipisten: Weil die Hänge in Jeongseon laut Skiweltverband Fis nicht steil genug sind, wurde die Abfahrtspiste künstlich modifiziert. Auf dem Mount Gariwang wurde der bis zu 500 Jahre alte Wald teilweise abgeholzt. Der Plan zur Wiederaufforstung für die Zeit nach den Spielen wurde verworfen – zu teuer.

Immerhin gibt es eine Idee für das Olympiastadion (80 Millionen Euro). Die Haupttribüne wird in ein Museum umgewandelt. Der Rest wird abgerissen. Die Sommerspiele von Seoul 1988 haben ein gutes Erbe hinterlassen. Neue Autobahnen, Brücken, U-Bahnen, schicke Stadtviertel, wo zuvor Elendsviertel waren. In Pyeongchang, wo zusätzlich gut zehn Milliarden Euro für infrastrukturelle Maßnahmen ausgegeben wurden, sieht es anders aus. Es dürfte sich eher so entwickeln wie in Nagano, wo die Bobbahn von 1998 geschlossen werden soll und wo der letzte Skisprungweltcup 2007 ausgetragen wurde. (sid, red, 9.2.2018)