Facebook bewirbt nun Onavo Protect direkt in seiner Haupt-App – und damit ein aus Privatsphärensicht reichlich problematisches Angebot.

Foto: Elise Amendola / AP
Foto: Matt Rourke / AP

Mit der aktuellsten Version der Facebook App für iOS bietet das soziale Netzwerk seinen Nutzern einen zunächst ziemlich verlockend klingenden Dienst an: Die Protect-Funktion soll den gesamten Datenverkehr der User vor den Augen Dritter schützen. Eine Behauptung, die zwar durchaus korrekt ist, und doch kennt das Ganze eine ziemlich problematische Kehrseite wie 9to5Mac aufgespürt hat.

Onavo Protect

Das neue Protect-Feature der Facebook-App leitet den gesamten Datenverkehr des Smartphones über Facebooks eigene Server um. Technisch gesehen handelt es sich dabei um einen VPN-Client, wie er von zahlreichen anderen Anbietern auch im App Store verfügbar ist. Grundlage ist die Software Onavo Protect, die Facebook im Jahr 2013 übernommen, und nun in seiner Haupt-App mittels eines fixen Eintrags bewirbt. Da der Datenverkehr auf dem Weg zu Facebook verschlüsselt wird, werden die Smartphone-Daten damit auch tatsächlich geschützt, problematisch wird es aber dann, wenn man sich ansieht, was der Service-Anbieter selbst mit diesen Daten macht.

Weitreichende Datenanalyse

Wie aus dem Eintrag zu Onavo Protect im App Store hervorgeht, analysiert die Software nämlich das komplette Surfverhalten der User. Dabei macht man auch keinen Hehl aus der dahinterstehenden Motivation: Neben der Optimierung der in der App gebotenen Funktionen selbst, sollen diese Daten auch verwendet werden, um "andere Facebook-Produkte und Services zu verbessern" und "Einblick darin zu bekommen, welche Dienste die Leute gerne benutzen". Angesichts dessen warnen die Blogger vor dem Einsatz dieser Funktion, im Kern handle es sich dabei um Spyware, findet man deutliche Worte.

Ein neuer Eintrag in der Facebook-App für iOS soll die Nutzer zur Installation von Onavo Protect locken.
Grafik: 9to5Mac

VPN-Problematik

Allgemein muss man anfügen, dass es sich dabei natürlich um ein grundlegendes Problem von VPN-Diensten handelt. Der Anbieter kann den Datenverkehr theoretisch immer mitlesen – und auch einzelnen Nutzern zuweisen. Genau darüber finanziert sich auch so manch vermeintlich "kostenlose" VPN-Service, wer sich auf solche Dienste einlässt, muss sich also klar sein, dass er diesen mit seiner Privatsphäre bezahlt. Wer mit der Analyse seines gesamten Surfverhaltens nicht einverstanden ist, sollte sich also besser von solchen vermeintlich freien Diensten fernhalten – und das gilt auch für das Protect-Feature von Facebook.

Derzeit wird das Protect-Feature in der Facebook-App noch nicht bei allen Nutzern angezeigt, Facebook scheint die fixe Verlinkung also erst zu testen. Ob dieser Schritt auch für Android geplant ist, ist noch unklar, da die Onavo-Protect-App aber auch hier verfügbar ist, ist wohl davon auszugehen – falls sich das Unternehmen nicht noch generell umbesinnt. (red, 14.2.2018)