Es ist vollbracht.

Foto: . REUTERS/Dominic Ebenbichler

Akito Watabe, Eric Frenzel, Lukas Klapfer.

Foto: APA/AP/Wigglesworth

Pyeongchang – Ein wenig traurig schien er schon, der 24-jährige Franz-Josef Rehrl. Mit einem Traumsprung von der Normalschanze hatte er sich an die Spitze gesetzt gehabt. Er war damit der Hase, den alle zu jagen hatten. "Das Gefühl, als Erster nach dem Springen in die Loipe zu gehen, war überwältigend, es hat mir fast den Atem genommen."

Aber die vielen Jäger waren schließlich des Hasen trauriges Schicksal. Am Ende wurde er durchgereicht bis zu Rang 13. Beteiligt daran war auch Teamkollege Lukas Klapfer, der mit 32 Sekunden Rückstand auf Rehrl in die Loipe gestartet ist. Der 32-jährige Steirer holte Bronze hinter dem deutschen Titelverteidiger von Sotschi, Eric Frenzel, und dem Japaner Akito Watabe.

Klapfer war klarerweise wenig traurig, sondern: "Ich pack’ es noch gar nicht. Ich habe im letzten Anstieg noch einmal alles rausgeholt, und dass ich es über die Linie gebracht habe, war unglaublich. Ein wahnsinnig hartes Rennen. Ich kann mich noch gar nicht so freuen, weil ich noch so fertig bin und mit den Tränen kämpfe. Ein Wahnsinnstag."

Bisserl Genugtuung

Einer, der für viele nicht ganz so wahnsinnige Tage entschädigte: "Ich glaube, ich habe schon vier Mal abgeschlossen gehabt in Gedanken. Aber auch andere haben das getan. Und es ist schon ein bisserl eine Genugtuung, wenn man jetzt zeigt, dass sich das Dranbleiben auszahlt und dass sich einige doch ziemlich geirrt haben."

Cheftrainer Christoph Eugen, der in der vergangenen Saison eine Art Seuchenjahr dignostiziert hat beim nunmehrigen Olympia-Bronzenen, hat klarerweise eine "irrsinnige Freude. "Der Lukas hat heuer sehr gut gearbeitet, war sehr diszipliniert, und der Fokus war von Anfang an total auf die Spiele gelegt. Dabei haben wir nicht ganz gewusst, wie es ihm geht, weil er doch letzte Woche einen Magendarmvirus gehabt hat."

Auch die Teamkollegen – neben Springerass Rehrl Willi Denifl und Bernhard Gruber – klopfen dem Loipenass voll Anerkennung auf die breiten Schultern. Denifl wurde 29. und schätzt seinen Zimmerkollegen nicht nur für den Spaß, den sie miteinander haben können, sondern auch fürs Nonverbale: "Wir verstehen uns sehr gut, obwohl wir eigentlich relativ wenig reden. Es ist Verständnis auf einer sehr hohen Ebene."

Die zu erarbeitende Medaille

Gruber, der 20. der Normalschanzenkombi, ergänzt: "Der Luke war heuer schon richtig gut drauf und ein heißer Medaillenmitfavorit. Aber eine Medaille muss erst passieren, die muss man erst erarbeiten."

Dass der Bronzemedaillengewinner als Einziger auch für die Kombination von der Großschanze einen fixen Startplatz hat, neidet ihm niemand. Ansonsten wäre da wohl auch Trainer Eugen dazwischengefahren. "Der Luke kann nämlich beides: Skispringen und Langlaufen. Das hat er heute absolut gezeigt."

Ziemlich am Limit

Auch dem Halbzeitführenden Rehrl: "Ich vergönne es Lukas voll, wir sind alle stolz auf ihn." Und das werden sie noch ein Zeiterl sein dürfen. Peking 2022 steht noch auf der Klapfer-Agenda. Diesmal war er auf der Loipe ziemlich am Limit: "Ich habe mir gedacht, dass ich zwischendurch mit Eric von Watabe weggehen kann. Im Endeffekt haben wir schauen müssen, dass wir den Vierten und den Fünften – den Norweger Jan Magnus Riiber und den Deutschen Johannes Rydzek, auf Distanz halten. Watabe und Eric waren saustark, also muss ich mit Platz drei zufrieden sein."

Auf der Großschanze gibt es dann den nächsten Versuch: "Ich werde sicher konzentriert weiterarbeiten. Und der Sprung, den ich heute gemacht habe, Harakiri und Hoffen, dass ein Aufwind im Hang ist, reicht mir auf der Großen auch."(APA, red, 14.2.2018)

Reaktionen:

Lukas Klapfer (AUT/Olympia-Dritter): "Ich pack' es noch gar nicht. Ich habe im letzten Anstieg noch einmal alles rausgeholt, und dass ich es über die Linie gebracht habe, war unglaublich. Es war ein wahnsinnig hartes Rennen. Ich kann mich noch gar nicht so freuen, weil ich noch so fertig bin und mit den Tränen kämpfe. Es ist echt ein Wahnsinnstag."

Franz-Josef Rehrl (AUT/13.): "Das Gefühl, als Erster nach dem Springen in die Loipe zu gehen, war überwältigend, es hat mir fast den Atem genommen. Ich habe versucht, locker zu bleiben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe alles probiert. Es ist echt schade mit dem Laufen, dass es wieder so ausgegangen ist. Ich vergönne es Lukas voll, wir sind alle stolz auf ihn."

Bernhard Gruber (AUT/20.): "Es stimmt mich positiv, dass die Laufform passt. Super, dass der Luke die Bronzemedaille erlaufen hat. Ich freue mich irrsinnig mit ihm. Der Luke war heuer schon richtig gut drauf und ein heißer Medaillenmitfavorit. Aber eine Medaille muss erst passieren, die muss man erst erarbeiten. Teammäßig sind wir richtig gut aufgestellt. Jetzt kommen unser Fliegerqualitäten auf der Großschanze, die werden wir dann ausspielen."

Wilhelm Denifl (AUT/29./Zimmerkollege von Klapfer): "Ich freue mich voll mit Lukas mit, mit dem ich seit gefühlten 100 Jahren im Zimmer zusammen bin. Es gibt wenige, die es sich mehr verdient haben. Blöderweise ist nur einer am Podest, aber alle freuen sich mit ihm, das macht unsere Mannschaft aus."

Eric Frenzel (GER/Olympiasieger): "Es war eine hart erkämpfte Medaille. Mein großes Ziel war es, hier erfolgreich zu sein, dafür habe ich alles andere hinten anstehen lassen. Ich war genau am richtigen Punkt fit und hatte auch das nötige Quäntchen Glück. Ich habe alles in die Waagschale geworfen. Ich bin am letzten Berg all-in gegangen. Das ist zum Glück aufgegangen."

Alle österreichischen Olympia-Medaillengewinner in der Nordischen Kombination:

GOLD (3):

2006 Turin:
Felix Gottwald (Sprint)

2006 Turin:
Mannschaft (Michael Gruber, Christoph Bieler, Felix Gottwald, Mario Stecher)

2010 Vancouver:
Mannschaft (Bernhard Gruber, David Kreiner, Felix Gottwald, Mario Stecher)

SILBER (2):

1988 Calgary:
Klaus Sulzenbacher (Einzel)

2006 Turin:
Felix Gottwald (Einzel)

BRONZE (8):

1988 Calgary:
Mannschaft (Günther Csar, Hans-Jörg Aschenwald, Klaus Sulzenbacher)

1992 Albertville:
Klaus Sulzenbacher (Einzel)
Mannschaft (Klaus Sulzenbacher, Klaus Ofner, Stefan Kreiner)

2002 Salt Lake City:
Felix Gottwald (Einzel)
Felix Gottwald (Sprint)
Mannschaft (Christoph Bieler, Michael Gruber, Mario Stecher, Felix Gottwald)

2010 Vancouver:
Bernhard Gruber (Einzel, Großschanze)

2014 Sotschi:
Mannschaft (Lukas Klapfer, Christoph Bieler, Bernhard Gruber, Mario Stecher)

2018 Pyeongchang:
Lukas Klapfer (Einzel, Normalschanze)