Die Vorbereitungen für das anstehende Jahr des Erdhundes sind in China schon längst angelaufen. Zumindest in Peking müssen die Vierbeiner kaum noch fürchten, im Kochtopf zu landen.

Foto: Reuters / Tronye Siu

Das "Mickey Mouse"-Heft in China ist den Kalendertieren gewidmet.

Erling

Auch sonst gibt es anlässlich des Jahr des Hundes genug zu kaufen.

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Bei den Wahrsagern gibt es Zaubersäckchen, um Unglück im Jahr des Hundes abzuwenden.

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Bei Neujahrsgrüßen in China wird gern mit der Sprache gespielt. Pekinger hängen sich etwa ein auf Seidenpapier gepinseltes Schriftzeichen "Fu", das Glück bedeutet, an die Tür ihrer Wohnung – mit Absicht verkehrt. Etwas auf den Kopf stellen heißt im Chinesischen "daole". Anders geschrieben, aber gleichlautend ausgesprochen bedeutet es "Angekommen". So kommt das Glück garantiert beim Empfänger an.

Im chinesischen Jahr des Hundes machen sich viele auch einen Spaß mit seinem Bellen. Was im Deutschen mit "Wau, Wau, Wau" ausgedrückt wird, hört sich in chinesischen Ohren "Wang, Wang, Wang" an. Selbst seriöse Absender schriftlicher Neujahrsgrüße, wie etwa der Verband für Konsumelektronik, wünscht für 2018 ein dreifaches "Wang".

Ausgiebiges Gelage

Ein ganzes Volk fällt zum neuen Jahr, das nach dem traditionellen Kalender um Mitternacht auf Freitag beginnt, in Kindergestammel zurück. Doch das Lautzeichen "Wang" kann auch, gleichlautend gesprochen, "wirtschaftlich üppig und aufblühend" bedeuten. Es ist der perfekte Wunsch am ersten Abend zum großen Frühlingsfest, das Chinesen in aller Welt – und mittlerweile auch viele Ausländer – mit ausgiebigen Gelagen in der Familie und jede Menge traditioneller Folklore feiern.

Zwölf Jahre mussten sie warten, um auf den Hund zu kommen, der zum Dutzend der traditionellen Kalendertiere gehört. Weil sie sich nach altem Horoskop abwechselnd mit einem der fünf Elemente verbinden (Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde), kann sich ein gleiches Hundejahr nur alle 60 Jahre wiederholen. 2018 ist der Erdhund dran. Zuletzt war es der Feuerhund, der 2006 seinem Element alle Ehre machte. Peking erlaubte damals nach vielen Jahren, Neujahr mit Feuerwerk zu feiern. Die Hauptstadtbürger ließen es von Mitternacht bis drei Uhr früh ohrenbetäubend krachen.

2018 aber wurde Feuerwerk im Stadtgebiet innerhalb seiner fünf Autobahnringe wegen Brandgefahr und Smog unter Androhung hoher Geldbußen verboten. 444 weitere Städte folgten dem Vorbild mit totaler und 764 Städte mit begrenzter Ächtung aller Knallerei. Dabei hatte China einst das Pulver erfunden und exportiert heute fast 90 Prozent des weltweit verschossenen Feuerwerks.

Warnung vor "Humbug"

Die pyromane Freude war den Pekingern nie nur zum Spaß gedacht, denn sie vertrieben so böse Geister aller Art. Nun müssen sie andere Hilfe suchen. Im alten Innenstadtviertel zwischen Lama- und Konfuziustempel gibt sich das China der Wahrsager, Fengshui-Meister, Namensfinder, Kalender- und Horoskopdeuter sein Stelldichein. Ihre Geschäfte laufen gut, trotz eines öffentlich aufgestellten Warnschildes der Behörden, nicht auf den "abergläubischen Humbug" und "falsche Horoskope" hereinzufallen.

Shi Haojun, der sich Meister Rongxia nennt, kann dennoch über Kunden nicht klagen. Im Jahr des Erdhundes, von dem er prophezeit, dass "es nicht gut wird", müssen sich alle gegen Geister schützen, die in einem Hundejahr geboren wurden. Auch Drache oder Hahn beißen sich mit dem Hund.

Meister Rongxia hilft ihnen mit Beratung. Im Laden nebenan sind die Gegenmittel aber billiger zu erhalten, für umgerechnet sieben Euro pro Packung, die ein Jahr lang zu Hause stehen muss, um zu wirken. In der Schachtel stecken Amulette, Heiligenbilder und Kalligrafien, fünffarbiger Sand in Tüten, der für die Elemente steht. Die richtige Mischung macht offenbar die Zauberwirkung aus. Der Kunde zahlt bargeldlos mit QR-Code. Chinas Wahrsager gehen mit der Zeit.

Jiaozi bringen Reichtum

Das Frühlingsfest beherrscht auch alle Schlagzeilen des Landes. Die Ideologiezeitung Studium der Parteihochschule erklärt auf ihrer Titelseite, warum man um Mitternacht chinesische Teigtaschen, Jiaozi, essen muss, die die Familie zuvor gemeinsam geknetet hat. Auch dahinter steckt ein Wortspiel mit dem Wort Jiaozi, als Brücke zwischen dem alten und neuen Jahr. Laut anderen Erklärungen bringen Jiaozi der Familie Reichtum, weil sie wie die chinesischen Silberschiffchen aussehen, Zahlungsmittel früherer begüterter Generationen.

Die Stadt ist leer gefegt. Sieben Millionen Pekinger sind zu Eltern, Verwandten oder Freunden unterwegs, Teil der gigantischen Völkerwanderung, die sich alljährlich wiederholt. Den Hunden kann es Recht sein. 2006 verkrochen sie sich wegen des Feuerwerks. Nun müssen sie in der zivilisierten Hauptstadt auch kaum mehr den Kochtopf fürchten. Pekings Vierbeiner vervierfachten sich seit 2006 auf heute mehr als zwei Millionen registrierte Haustiere. Dutzende Tierhotels springen für viel Geld als Hundepensionen ein, wenn ihre Besitzer ohne sie ins Frühlingsfest verreisen. Ein Grund mehr für alle Beteiligten, um "Wang, Wang, Wang" zu bellen. (Johnny Erling aus Peking, 15.2.2018)