In Cali benötigte Rodrigo Londoño alias Timochenko Polizeischutz, um das Parteilokal der Farc zu verlassen.

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Auch in Yumbo kam es zu Ausschreitungen.

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Nach einer Reihe von Angriffen auf ihre Kandidaten hat die Partei der ehemaligen Guerillaorganisation Farc ihren Wahlkampf für die Parlaments- und Präsidentenwahl in Kolumbien vorerst eingestellt. Demonstranten hatten Spitzenkandidat Rodrigo Londoño "Timochenko" bei Wahlkampfauftritten in den Städten Armenia, Cali und Yumbo mit Gegenständen beworfen und wild beschimpft.

Während Innenminister Guillermo Rivera zur Ruhe mahnte, verteidigte Iván Duque, Spitzenkandidat der Rechtspartei Centro Democratico des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe, die Proteste als "soziale Sanktionen" der Bevölkerung, solange diese friedlich blieben.

Juan Mahelvy García, Centro-Democratico-Kandidat für das Parlament, wurde in Cali beobachtet, wie er mit einem Megafon die Demonstranten anfeuerte. Der Neffe des Uribe-Vertrauten Daniel Andrés García Arizabaleta beteuert, er habe sich spontan den Protesten angeschlossen und das Megafon erst vor Ort erstanden.

Das kolumbianische Magazin "Semana" berichtet, mehrere Demonstranten hätten angegeben, für ihre Teilnahme an dem Protest je 30.000 Pesos (etwa acht Euro) erhalten zu haben.

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Die Rebellen haben Ende 2016 einen Friedensvertrag unterzeichnet und wollen künftig als politische Bewegung für ihre Ziele wie eine gerechtere Landverteilung eintreten. Die Farc will an der Parlamentswahl am 11. März und an der Präsidentenwahl am 27. Mai teilnehmen. Laut dem Friedensvertrag sind ihr bis 2026 zehn Sitze im Kongress garantiert.

Letzter Versuch scheiterte blutig

Der letzte Versuch der linken Ex-Guerilla, als "Unión Patriótica" bei Parlaments- und Präsidentenwahlen anzutreten, hatte mit der Ermordung von zwei Präsidentschaftskandidaten, acht Abgeordneten und mehr als 2.000 Parteimitgliedern geendet.

In Kolumbien kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Aktivisten: Im Jahr 2017 wurden 170 Menschenrechtler und Indigenenführer ermordet, in diesem Jahr waren es bisher 30. (bed, 14.2.2018)