Zurück zur Natur

Nach Kälteeinbruch, Regen und Schneefall sehnten sich in Paris alle nach dem Frühling. Doch dann brachte Karl Lagerfeld den Herbst. Der Boden des Grand Palais war über und über mit braunem Laub bedeckt, an den Bäumen in der Mitte des Laufstegs hingen nur noch vereinzelt Blätter, und es roch nach frischem Moos. Die Kollektion von Chanel war melancholisch, aber keineswegs düster: Flache Schnürschuhe oder Stiefel leuchteten golden patiniert, und die Farbpalette ging von warmen Braun- und Grüntönen bis hin zu metallischem Bronze. Bodenlange Tweedmäntel, Strickkleider oder Röcke wirkten lässig und elegant zugleich, dank glänzender Lurex-Elemente und dem Spiel mit Volumen. Ähnlich naturbezogen war die Show von Lacoste. In der Mitte des Laufstegs thronte ein riesiger Baum, um den die Models liefen. Stoffe waren mit Eichenblättern oder ganzen Landschaften bedruckt, die von Golfkleidung inspirierten Looks wurden mit Gummistiefeln und Regenhüten kombiniert. Lacoste lancierte gleichzeitig sein Programm Save our Species, eine limitierte Edition von Poloshirts, bei denen das berühmte Krokodil durch verschiedene vom Aussterben bedrohte Spezies ersetzt wurde. Die mit den Polos luktrierten Einnahmen gehen an die Organisation Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN).

Foto: REUTERS/Pascal Rossignol

Chanel

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Chanel

Foto: APA/AFP/PATRICK KOVARIK

Chanel

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Chanel

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Lacoste

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Wer ist hier der Boss?

Ein gigantischer Kubus, von dem hunderte von Scheinwerfern strahlten, der Eiffelturm als Vis-à-Vis. Eindrucksvoller hätte Saint Laurent die Pariser Fashion Week wohl kaum beginnen können. Das Modehaus setzte mit seiner imposanten Show-Location ein deutliches Zeichen. Wer mal eben einen riesige Gebäudestruktur auf den Trocadero bauen lässt und damit mehr als eine Woche lang die darunterliegenden Fontänen lahmlegt, muss gut bei Kasse sein. #MeToo hin oder her, die sexy Kleider und tiefen Dekolletées, die Chefdesigner Anthony Vaccarello auch diesmal zeigte, verkaufen sich anscheinend bestens. Am Ende glitzerte der Eiffelturm auch noch eine Viertelstunde länger als normalerweise, um den Gästen das Verlassen der Show zu versüßen. Auch der Moderiese Louis Vuitton (siehe Bild) ließ sich nicht lumpen und verwandelte das Louvre-Museum in einen riesigen Landeplatz für Raumschiffe. Die Treppenaufgänge des Cour Lefuel wurden zu futuristischen Rampen, die Kollektion passend zum Ambiente ein Zusammenspiel aus Tradition und Moderne: Goldene Bordüren und sportliche Sweater wechselten einander ab.

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Louis Vuitton

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Saint Laurent

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Saint Laurent

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Bitte lächeln (und küssen)!

Die Modenschau von Sonia Rykiel fiel gewissermaßen aus dem Rahmen. Denn seit Jean Paul Gaultier keine Prêt-à-porter-Mode mehr macht, ist die Pariser Fashion Week eine weitgehend spaßbefreite Angelegenheit. Das "Enfant Terrible" war bekannt für seine heiteren Modeschauen, bei denen die Models sichtlich Spaß hatten. Heute verziehen die Mädchen in der Regel keine Miene mehr, und von ausgelassener Stimmung kann kaum die Rede sein. Zur Feier des 50-jährigen Jubiläums des Hauses ließ Kreativdirektorin Julie de Libran nun aber den Esprit der 80er-Jahre wiederaufleben und hatte ihren Models aufgetragen, sich zu amüsieren: Sie gingen lachend und strahlend über den Laufsteg. Anstatt zu marschieren, tänzelten sie den Fotografen entgegen. Oft kamen sie kichernd im Quartett, alle mit flauschigen Lammfellkleidern und Trapperhüten bekleidet oder mit Samtanzügen und Glitter im Haar. Am Ende durfte auch das Publikum mitfeiern: Als die legendären Bananaramas auf die Bühne kamen und Hits wie "Cruel Summer" zum Besten gaben, wurde getanzt und mitgesungen.

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Sonia Rykiel

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Logomania in Paris

Gleich am ersten Abend der Fashion Week feierte das Pariser Luxuskaufhaus Le Bon Marché den Trend der Stunde mit einer großen Party. "Let's Go Logo" heißt das Motto, für das Le Bon Marché um die 130 Marken bat, eine exklusive Capsule-Kollektion zu entwerfen, bei der er es darum ging, mit dem eigenen Logo zu spielen. Mitgemacht haben Labels aller Größen, von Céline, Mansur Gavriel über Eres bis hin zu Kiehl's oder Dyptique. Einige Logos fanden sich plötzlich auf ganz neuen Produkten wieder: Isabel Marant zum Beispiel entwarf einen Putzschwamm und Gartenhandschuhe. Dass Logos immer noch ihr großes Comeback feiern, konnte man auch bei den Schauen beobachten. Beim Streetwear-Label Off-White blitzten sie auf Unterhosen unter transparenten Kleidern hervor. Bei Balenciaga war das Firmenlogo immer wieder auf Oberteilen und Sweatshirts zu erkennen. Auf die Spitze trieb es allerdings Olivier Rousteing, der für Balmain (siehe Bild) ein ganzes Kleid mit schwarzen Streifen bedrucken ließ, auf denen endlos "Balmain Paris Balmain Paris" zu lesen war.

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Balmain

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Off-White

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Balenciaga

Foto: Balenciaga

Feministische Correctness

Maria Grazia Chiuri mag es gerne politisch und schreckt auch nicht vor den wilden 68ern zurück. Für die Show von Dior ließ die Designerin die Wände mit Plakaten und Slogans aus den 60er-Jahren tapezieren. Und um die Sache gleich klarzustellen, eröffnete ein Pullover mit der Aufschrift "C'est non non non et non" ("Nein heißt Nein, Nein und nochmals Nein") die Show. Feminismus ist ein Thema, das man von Chiuri bereits kennt. Und wenn man sich die aktuellen Diskussionen über #MeToo und Time's Up so anschaut, muss man sagen: Chiuris Vision von Frauenmode (Schottenkilts, transparente Röcke oder knappe Bustiers) ist aktueller denn je, denn bei ihr hat man die Wahl. Ähnliches gilt für den Designer Dries Van Noten. Seine Frauenmode ist seit jeher feminin und maskulin zugleich. Über einen weit geschnittenen Männeranzug wirft er eine bunte Federboa, ein Bleistiftrock wird mit einem Streifen.

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Dior

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Dior

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Dries van Noten

Foto: APA/AFP/BERTRAND GUAY
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