Salzburg steht – vor allem für viele Touristen – immer noch für Mozart. Ein Image ist schwer aufzuweichen, sagen Experten, dafür braucht es starke Bilder, die andere Stärken transportieren.

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Salzburg/Wien – Es gibt viele Studien, die versuchen, das Image von Städten zu erfassen – bekannt ist etwa die jährlich publizierte Mercer-Studie, die allerdings ausschließlich Expatriates nach der Beliebtheit der Stadt fragt, in der sie gerade arbeiten. Wien schneidet dabei regelmäßig exzellent als lebenswerteste Stadt für Manager ab. Alle zwei Jahre erscheint auch der Anholt-GfK-City-Brands-Index – Wien belegt darin aktuell Platz 16. Für diese Studie werden schon etwas mehr softere Faktoren herangezogen, wie etwa das Freizeitangebot, die Freundlichkeit der Bevölkerung oder Transportmöglichkeiten.

Weiche Faktoren wichtiger als Kennzahlen

Dennoch hält Inga Horny, Präsidentin des Verbands Stadtmarketing Austria, nicht allzu viel von solchen Studien: "Es geht darum, ob eine Stadt für die Bewohner lebenswert ist, nicht um irgendwelche Kennzahlen." Für sie ist die einzige Veröffentlichung, die richtig Sinn macht, das jährliche Ranking des Magazins Monocle von Tyler Brûlé, das viele weiche Faktoren abfragt. Tokio ist laut der aktuellen Ausgabe die lebenswerteste Stadt der Welt, Wien folgt auf Platz zwei, Berlin und München auf Platz drei.

Die Kriterien, nach denen Monocle vorgeht, weisen für Horny auch den österreichischen Städten den Weg: "Nur indem man viele weiche Faktoren abfragt, haben auch kleinere, abgelegenere Städte eine Chance." Wie etwa Ried im Innkreis mit seinem intakten Ortskern oder Hall in Tirol, das mit seiner Barrierefreiheit im historischen Ortskern punkten kann. Eine Stadt machten Dinge wie eine ausgebaute Kinderbetreuung, umweltfreundlicher öffentlicher Verkehr oder in Integrationsprojekten ausgedrückte Toleranz in der Gesellschaft lebenswert. Davon ist in anderen Studien wenig bis gar nichts zu finden.

Image versus Investments

Es gibt allerdings auch eine Kehrseite, so Horny, die auch Geschäftsführerin der Altstadt Salzburg Marketing GmbH ist: "Je höher die Lebensqualität einer Stadt, desto mehr Menschen wollen dort wohnen, desto höher der Druck auf die Immobilienwirtschaft. Die Grundstücke sind aber rar, und die Preise steigen." Für Georg Fichtinger, Senior Direktor beim Immobiliendienstleister CBRE, steht allerdings die wirtschaftliche und kulturelle Anziehungskraft von Städten im Vordergrund: "Diese basiert einerseits auf einer Mischung aus einer liberalen und innovativen Bevölkerung und andererseits auf einer Konzentration der wirtschaftlichen Prosperität."

Das Image einer Stadt spiele bei Investments, abhängig vom Immobilientyp, eher eine indirekte Rolle. Im Hotelbereich etwa könnte das Image einer Stadt und dessen Außenwirkung, im Unterschied zu Einzelhandelsimmobilien, eine wichtigere Rolle spielen. "Aufgrund des derzeit niedrigen Renditeniveaus für Core-Immobilien in Wiener Zentrallagen erwarten wir eine zunehmende Ausweitung der Investitionstätigkeit auch auf Wiener Randlagen sowie partiell auf die Landeshauptstädte Graz und Linz und in geringerem Ausmaß auch auf Innsbruck und Salzburg", lautet Fichtingers Prognose für die nahe Zukunft. (adem, 13.3.2018)