Die Ermittlungen zu dem Giftanschlag laufen weiter, zuvor machte schon die britische Premierministerin Theresa May Russland für den Anschlag verantwortlich.

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Washington – Im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Sergej Skripal haben sich die westlichen Verbündeten hinter Großbritannien gestellt: US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Montag, die USA stimmten mit ihrem Verbündeten überein, dass Russland "wahrscheinlich" hinter dem Mordversuch stecke. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich "sehr besorgt" über den Einsatz eines Nervengifts.

Die US-Regierung habe volles Vertrauen in die britischen Ermittlungen und die Einschätzung, dass Russland wahrscheinlich für das Attentat verantwortlich sei, sagte Tillerson. Die USA seien solidarisch mit ihren Verbündeten, beide Länder würden ihre Reaktionen weiterhin eng aufeinander abstimmen.

Moskau hat unterdessen von der britischen Regierung Zugang zu den Nervengift-Proben verlangt. Außenminister Sergej Lawrow sagte am Dienstag, Russland sei in dem Fall "unschuldig" und "zur Zusammenarbeit bereit". Zugleich kritisierte er das von Großbritannien gestellte Ultimatum, dass sich Russland binnen 24 Stunden erklären solle.

Tillerson droht mit "ernsthaften Konsequenzen"

Den Verantwortlichen, "sowohl denen, die das Verbrechen begangen haben, als auch denen, die es in Auftrag gegeben haben", müssten "angemessene, ernsthafte Konsequenzen" drohen, sagte Tillerson nach einem Telefonat mit dem britischen Außenminister Boris Johnson.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte zuvor in einer Rede vor dem Parlament schwere Vorwürfe gegen Moskau erhoben: "Es ist höchst wahrscheinlich, dass Russland für diese Tat verantwortlich ist", sagte sie. Offizielle Stellen in Russland hätten den Anschlag entweder direkt in Auftrag gegeben oder ihn zumindest ermöglicht. Das Attentat sei ein "willkürlicher und schamloser Angriff auf das Vereinigte Königreich".

May verwies darauf, dass Russland eine Geschichte "staatlicher Auftragsmorde" habe. Bis Dienstagabend müsse sich Moskau gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen zu dem Fall erklären. Sollte Russland bis dahin keine glaubwürdige Antwort geben, so werde der Giftanschlag als "unrechtmäßiger Gewalteinsatz des russischen Staates gegen das Vereinigte Königreich" gewertet. May werde dann eine "ganze Reihe von Gegenmaßnahmen" vorstellen.

Russland wies die Vorwürfe umgehend zurück. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sprach laut Agenturberichten von einer "Zirkusveranstaltung im britischen Parlament". Sie warf der britischen Regierung eine "politische Kampagne auf Grundlage von Provokationen" vor und sprach von "Märchen", die in London verbreitet würden.

Nato besorgt

Nato-Generalsekretär Stoltenberg erklärte, Großbritannien sei ein hochgeschätzter Verbündeter, und "dieser Zwischenfall" sei für die Nato Anlass zu großer Besorgnis. Der Einsatz eines Nervenkampfstoffes sei "abscheulich" und "völlig inakzeptabel". Die Nato stehe in der Angelegenheit mit den britischen Behörden in Kontakt.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron versicherte May in einem Telefonat seiner Solidarität, teilte die britische Regierung mit. Die beiden hätten "die vielen Muster aggressiven russischen Verhaltens" und die Notwendigkeit eines konzertierten Vorgehens der Verbündeten besprochen.

Opfer weiter in kritischem Zustand

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in kritischem Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter auch ein Polizist.

Den britischen Angaben zufolge wurde ein Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Serie eingesetzt: Die früher in der Sowjetunion produzierte Substanz, die in etwa 100 Varianten vorkommt, zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt.

Fraglich ist, welche Sanktionen London in Erwägung zieht. Britische Medien halten zum Beispiel die Ausweisung von Diplomaten und finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London aus Putins Umfeld für denkbar. May hat bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM im Sommer nach Russland zu schicken. (APA, 13.3.2018)