Tillerson habe "jede Absicht gehabt zu bleiben", melden US-Medien unter Berufung auf eine schriftliche Mitteilung seines Stellvertreters Steve Goldstein.

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Wenn es ein Omen war, dann war es kein gutes. Rex Tillerson kehrte zwar nicht sofort zurück von einer Afrikareise, doch am Samstag ließ er einen Sprecher mitteilen, dass er sich nicht wohlfühle und in Nairobi einen Tag Pause einlege, ohne offizielles Programm. Ein Schwächeanfall eines Außenministers, dessen berufliches Schicksal seit Monaten am seidenen Faden hängt: In Washington bringt so etwas fast zwangsläufig die Gerüchteküche zum Brodeln. Am Dienstagvormittag bestätigte Donald Trump, dass es sich diesmal um mehr handelte als um Spekulationen.

Styria

CIA-Direktor Mike Pompeo, schrieb er in einem Tweet, werde der neue Außenminister sein. "Er wird einen fantastischen Job machen! Danke an Rex Tillerson für seinen Dienst." Neue Chefin der CIA wiederum soll Gina Haspel (61) werden, die bisherige Vizedirektorin des Auslandsgeheimdienstes. Sowohl Pompeo als auch Haspel müssen vom Senat bestätigt werden.

Mit Tillerson geht ein Praktiker, ein Schwergewicht der Geschäftswelt, das Trump auch deshalb ins Kabinett holte, weil es zu seiner Philosophie passte, nach der ein Businessman allemal mehr fertigbringt als ein Politiker. In der Rolle des Spitzenmanagers von Exxon Mobil war der Texaner mit der Reibeisenstimme zwar alles andere als ein Neuling auf dem Feld der Diplomatie, nur hatte er bis dahin die engen Interessen einer Ölgesellschaft vertreten.

Chemie stimmte nie

Zum russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte er einen ebenso guten Draht wie zum Königshaus Saudi-Arabiens. Kurzum, Tillersons Name stand für nüchterne Realpolitik. Die Erfahrungen des Managers schienen zu Trumps Ansatz zu passen, die Rolle Amerikas in der Welt auf ein Minimum zu begrenzen.

Mit dem Vorgesetzten im Oval Office ist er dann allerdings nie warm geworden. Die Chemie zwischen beiden stimme nicht, wussten Insider schon vor fast einem Jahr zu erzählen. Trumps egomanische Sprunghaftigkeit gehe dem stoisch wirkenden Ölmann schwer auf die Nerven. Dass es am Ende vor allem inhaltliche Differenzen waren, die Tillersons Abgang besiegelten, hat der Präsident selbst deutlich gemacht, als die Würfel gefallen waren.

"Wir haben einfach nicht dasselbe gedacht", sagte er vor Reportern im Weißen Haus. "Wenn Sie sich den Iran-Deal anschauen: Ich glaube, er ist schrecklich. Er hielt ihn wohl für ganz okay." Er schob einen sarkastisch klingenden Satz hinterher: "Ich denke, Rex wird von jetzt an viel glücklicher sein."

Bevor der Präsident im Falle Nordkoreas auf eine – zumindest vorläufig – moderatere Linie einschwenkte, war es neben dem einflussreichen Verteidigungsminister James Mattis auch Tillerson, der zur Besonnenheit mahnte. Während Trump mit "Feuer und Wut" drohte, lange bevor er sich zu einem Treffen mit Kim Jong-un bereit erklärte, versuchte sein Chefdiplomat den rhetorischen Attacken die Spitze zu nehmen. Die Tür zum Dialog mit Pjöngjang stehe offen, man habe kein Interesse an einem bewaffneten Konflikt, betonte er, wann immer die verbale Eskalationsspirale außer Kontrolle zu geraten drohte.

Im vorigen Sommer soll er Trump im kleinen Kreis einen "moron", einen "Trottel", genannt haben, was er im Übrigen nie dementierte. Als der Fernsehsender NBC davon erfuhr und es publik machte, schien sein Abgang nur noch eine Frage der Zeit.

Als Trump Saudi-Arabien im Streit mit Katar volle Rückendeckung gab, bediente sich Tillerson seiner alten Kontakte am Golf, um den Part des neutralen Vermittlers zu spielen. Zuvor hatte er vergeblich davon abgeraten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, allein schon aus dem Wunsch heraus, die Allianz mit den Europäern nicht noch mehr zu belasten, als es wegen des Streits um die Nato-Beiträge ohnehin schon der Fall war. Und am Montag fand er nach der Nervengiftattacke im südenglischen Salisbury deutliche Worte an den Kreml, während Trump den Vorfall mit Schweigen überging.

Auch Staatssekretär gefeuert

Als die Personalrochade verkündet war, gaben sich Vertraute des Ministers nicht die geringste Mühe zu vertuschen, was sich hinter den Kulissen an Streitigkeiten abgespielt hatte. Tillerson habe die Absicht gehabt, im Amt zu bleiben, sagte sein Stellvertreter Steve Goldstein. "Der Minister hat nicht mit dem Präsidenten gesprochen und ist sich der Gründe seiner Entlassung nicht bewusst." Später wurde im Weißen Haus bekannt, dass auch Goldstein entlassen worden ist.

Mike Pompeo dagegen, Tillersons Nachfolger, scheint bestes Einvernehmen mit Trump zu haben. Mit seinem selten von Selbstzweifeln geplagten Stil soll er Trump so beeindruckt haben, dass dieser schon länger plante, ihn zu befördern. (Frank Herrmann aus Washington, 13.3.2018)