Das menschliche Gehirn soll in der Cloud landen – behauptet das Start-up Nectome.

Foto: Reuters/Allegri

Unsterblichkeit in Form eines digitalen Weiterlebens: Dieses Motiv ist mindestens so alt wie das Silicon Valley selbst. Ein neues Start-up namens Nectome verspricht nun, diesen Traum wahr werden zu lassen. Es behauptet, Gehirne so präservieren zu können, dass sie später über eine noch zu entwickelnde Schnittstelle in die Cloud hochgeladen werden und virtuell existieren können. Unterstützt wird Nectome vom prominenten Start-up-Inkubator Y Combinator, auch staatliche Förderung konnte sich das US-Unternehmen bereits sichern.

Tod ist unausweichlich

Für Nutzer gibt es jedoch einen Haken. Bei der Durchführung des Prozederes ist der Tod des Kunden unausweichlich. Gleichzeitig muss das Gehirn am Beginn der Haltbarmachung noch Funktionen aufweisen. Nectome kann also keine Gehirne von Verstorbenen präservieren. Deshalb hat sich das Start-up auf Patienten mit tödlichen Krankheiten konzentriert. Diese dürfen in Kalifornien einen ärztlich unterstützten Suizid planen. Hier will Nectome anknüpfen.

Warteliste

Das Start-up bietet momentan eine Warteliste an, der sich Y-Combinator-Gründer Sam Altman angeschlossen hat. Der 32-Jährige sagt zur "MIT Technology Review", er sei sicher, dass sein Gehirn "in die Cloud hochgeladen wird". Vor wenigen Wochen führte Nectome erste Tests durch. Das Start-up präservierte das Gehirn einer Frau rund zwei Stunden nach deren Tod. Damit soll getestet werden, ob die Methodik tatsächlich am Menschen funktioniert. Zuvor hatte Nectom Tierversuche durchgeführt.

Kritik

Die Idee stößt auch auf Kritik. "Ich hoffe, dass künftige Menschen davon angewidert sind, dass die reichsten Menschen des 21. Jahrhunderts ihr Geld dafür aufwenden, für immer zu leben", sagt der Neurowissenschafter Michael Hendricks zu "Technology Review". "Ich meine, das ist doch ein Witz – sie sind wie die Bösen aus einem Cartoon."

Keine neue Idee

In den nächsten Tagen will Nectome mehr Details zu seinen Methoden bereitstellen. An der Verknüpfung von lebenden oder toten Gehirnen mit Computern arbeiten momentan zahlreiche Start-ups. Auch Tesla-Gründer Elon Musk unterstützt ein derartiges Unternehmen namens Neuralink. (red, 14.3.2018)